BVG halbiert überraschend Takt auf U5-Außenstrecke

Zwischen Kaulsdorf Nord und Hönow fahren bis mindestens Mittwoch auch im Berufsverkehr nur alle zehn Minuten Züge

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Montag ging es überraschend ganztätig nur alle zehn Minuten mit der U5 nach Hönow.
Am Montag ging es überraschend ganztätig nur alle zehn Minuten mit der U5 nach Hönow.

Böse Überraschung für Pendlerinnen und Pendler am Montagmorgen im Nordosten. Statt des gewohnten Fünf-Minuten-Takts im Berufsverkehr auch auf der Außenstrecke der U5 zwischen Kaulsdorf Nord und Hönow verkehrt dort nur alle zehn Minuten ein Zug. Eine Kürzung, die so nicht von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) angekündigt worden ist, obwohl seit Montag wegen hoher Krankenstände und vieler Quarantänefälle im Zuge der Omikronwelle Ausdünnungen auf sechs Linien greifen. »Bei der U-Bahn müssen Fahrgäste nach der Anpassung höchstens eine Minute länger auf ihren Zug warten als bisher«, lautete das Versprechen in der am Donnerstag verschickten Pressemitteilung der BVG. Was übrigens auch ohne den nicht angekündigten Ausfall auf der U5 nicht durchgängig stimmte. Denn auf dem Außenast der U8 zwischen Paracelsus-Bad und Wittenau sowie auf der kurzen U4 entfällt im Berufsverkehr auch die Verdichtung auf einen Zug alle fünf statt alle zehn Minuten.

Kurios ist auch die Begründung, die BVG-Sprecher Markus Falkner für die Ausfälle auf der U5 liefert. »Es gab leider für diesen konkreten Abschnitt (Hönow-Kaulsdorf-Nord) einen Fehler bei der Einspielung der neuen Daten ins Fahrplansystem«, erklärt er auf nd-Anfrage. Die Fachleute arbeiteten daran, das zu beheben. Die Umstellung brauche aber organisatorisch etwas Vorlauf. »Voraussichtlich ab Mittwoch« werde jedoch der Fünf-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit, wie ursprünglich angekündigt, auch gefahren, so Falkner weiter.

»Für die eineinhalb Tage bis dahin, werden wir die U5 auf dem Außenast zwischen Hönow und Kaulsdorf-Nord möglichst operativ mit zusätzlichen Fahrten verstärken«, verspricht Markus Falkner von der BVG. Die Ankündigung sorgt bei Betriebskennern eher für ein müdes Lächeln. Denn eine Verlängerung der Umläufe würde die Dienstpläne über den Haufen werfen. Höchstens ein zusätzlicher Pendelverkehr von Kaulsdorf Nord nach Hönow ließe sich recht problemlos einrichten.

»Die Kommunikation coronabedingter Einschränkungen schien diesmal besser zu laufen als 2020 kurz nach Beginn der Pandemie. Die Situation auf der U5 ist da ein enttäuschender Rückschlag«, sagt Linke-Verkehrsexperte Kristian Ronneburg zu »nd«.

»Ich hätte erwartet, dass so eine Fahrplanumstellung besser vorbereitet ist«, sagt Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB zu »nd«. Für problematisch hält man beim Fahrgastverband auch die Auswirkungen der Buskürzungen auf die Anbindung von Moabit und Charlottenburg im Bereich zwischen Bismarck- und Turmstraße. Auf gleich vier Linien - M27, M45, 101 und 245 - ist seit Montag ein Drittel bis die Hälfte weniger Busse unterwegs. »Dabei hatte die BVG versprochen, nicht auf parallel laufenden Linien gleichzeitig zu kürzen«, so die IGEB.

Am Montag kündigt nun auch die S-Bahn Kürzungen an. Auf S1, S3 und S5 entfallen ab diesem Dienstag erneut die Verstärkerzüge, so dass nur ein Zehn-Minuten-Takt auf den entsprechenden Abschnitten angeboten wird. Die S75 fährt am Wochenende nur alle 20 Minuten, die S26 überhaupt nicht.

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