In Berlin wird das Trinkwasser knapp

Das Tesla-Werk ist nur ein Teil des Problems, und die Oder anzuzapfen, ist keine Lösung

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Ob denn genug Trinkwasser vorhanden sei für die Tesla-Autofabrik in Grünheide? Das fragte Sascha Gehm (CDU), Umweltdezernent im Landkreis Oder-Spree, seinen Sachgebietsleiter. »Dafür sind wir nicht zuständig, das zu wissen«, hat er zur Antwort erhalten. Gehm erzählt diese Begebenheit am Mittwoch im Umweltausschuss des brandenburgischen Landtags, um zu illustrieren, wie schwer durchschaubar die Strukturen in der Wasserwirtschaft sind.

Ob das Wasser für Tesla reicht, das muss André Bähler wissen. Er ist Vorsteher des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE), der Tesla mit jährlich 1,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser beliefern soll. 14 Millionen Kubikmeter benötigt der Verband insgesamt, mit Reserven besser 18 Millionen. Mit 15 Millionen Kubikmetern kommt der WSE einstweilen hin. Wenn jedoch das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) der Klage von Umweltverbänden stattgibt und die Genehmigung für eine erhöhte Fördermenge am Wasserwerk Eggersdorf kippt, dann fehlen vier Millionen Kubikmeter, rechnet Bähler vor. »Dann ist nicht nur Tesla gefährdet, dann ist auch die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gefährdet.« An diesem Freitag sollte der Fall vor Gericht verhandelt werden. Der Termin wurde aber verschoben.

Der Umweltausschuss des Landtags befasst sich am Mittwoch mit der Trinkwasserversorgung im Berliner Umland und hört dazu Experten an. Es wird klar: Die Tesla-Fabrik ist ein kleiner Ausschnitt eines großen Problems. Im Jahr 2050 werden 51 Prozent der brandenburgischen Bevölkerung in einer Zone 30 Kilometer rund um die Hauptstadt leben, erklärt Joachim Jost von den Berliner Wasserbetrieben (BWB). Der Trinkwasserbedarf werde um 50 Millionen Kubikmeter steigen. Das sei so, als wenn jedes Jahr eine Ausbaustufe der Tesla-Fabrik fertig werden würde. Bedenke man, wie lange es dauere, ein Wasserwerk zu planen und zu bauen, werde deutlich: »2050 ist bereits morgen.«

Das Abwasser von 35 Prozent der Einwohner Brandenburgs wird von den BWB behandelt und fünf der sechs Klärwerke der Wasserbetriebe stehen auf brandenburgischem Territorium. »Wasserwirtschaftlich sind wir eine Region und müssen auch so denken«, sagt Jost. Zwar regnet es kaum weniger als früher. Aber im Zuge des Klimawandels fallen Niederschläge im Winter oder so heftig, dass das Wasser zu schnell abfließt. Die Sonne scheint länger, was zu mehr Verdunstung führt. Zudem verlängert sich die Vegetationsperiode. Das behindert die Neubildung von Grundwasser. So schildern es die Experten. »Es ist schlicht und einfach nicht genug Wasser da«, bedauert Jost. Dabei ist Deutschland ein wasserreicher Staat, weiß Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Doch reichlich versorgt sind der Süden und der Nordwesten der Republik. Brandenburg gehört trotz seiner vielen Seen zu den trockenen Gebieten.

Ließe sich von anderswo Wasser herschaffen? Das fragt die Abgeordnete Anke Schwarzenberg (Linke). Nein, verrät Professor Heiko Sieker. Die Oder liege zu tief. Wasser aus dem Fluss zur Hauptstadt zu pumpen, würde viel Energie verbrauchen. Das wäre unwirtschaftlich. In München, wo das Wasser aus den Alpen bergab in die Stadt läuft, sei das etwas anderes. In Berlin bleibt fast nichts anderes übrig, als Trinkwasser zu sparen, Regenwasser zurückzuhalten und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Laut Vorsteher Bähler ringt der Wasserverband Strausberg-Erkner seit 2020 um ein Grundstück, auf dem er ein Klärwerk für die Tesla-Fabrik errichten will. Der Landesforstbetrieb verlange als Kaufpreis unverständlicherweise das Dreifache des Marktwertes.

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