Oxfam warnt vor Hungerkatastrophe in Ostafrika

Bis zu 28 Millionen Menschen in Ostafrika von extremer Lebensmittelknappheit bedroht

Bereits vor zwei Jahren suchte eine Heuschreckenplage den Norden Kenias heim.
Bereits vor zwei Jahren suchte eine Heuschreckenplage den Norden Kenias heim.

Durch den Klimawandel verursachte Missernten, eine Heuschreckenplage, die Corona-Pandemie sowie nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine könnten zu einer Hungersnot in Ostafrika führen. Wenn die Regenfälle im März ausbleiben, könnten bis zu 28 Millionen Menschen in der Region an extremen Hunger leiden, warnt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in einem Bericht, der am Dienstag vorgestellt wird. »Ostafrika steht vor einer zutiefst alarmierenden Hungerkrise. Gebiete in Äthiopien, Kenia, Somalia, Südsudan und darüber hinaus erleben eine Katastrophe«, sagte Gabriela Bucher, Vorstandsvorsitzende von Oxfam International. Selbst wenn die Regenfälle noch in diesem Monat einsetzen, werde sich die Situation nicht komplett entspannen.

Laut Oxfam importieren die Länder Ostafrikas bis zu 90 Prozent ihres Weizens aus der Ukraine und Russland. Bereits jetzt beginnen die Lebensmittelpreise in der Region, in die Höhe zu schnellen. In Somalia waren die Preise für Grundnahrungsmittel mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. »Die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf das globale Nahrungsmittelsystem werden rund um den Globus zu spüren sein, aber gerade die ärmsten und schwächsten Menschen werden am stärksten und schnellsten betroffen sein«, warnt Bucher.

Hinzu kommt, dass Ostafrika jüngst unter unter der schlimmsten Heuschreckenplage seit 70 Jahren und Sturzfluten litt, von denen fast eine Million Menschen im Südsudan betroffen waren. In Kenia ist die Ernte laut Oxfam um 70 Prozent zurückgegangen, das Land hat den nationalen Katastrophenzustand ausgerufen. In Äthiopien herrscht die größte Ernährungsunsicherheit seit 2016, allein in der Region Somali leiden 3,5 Millionen Menschen unter kritischem Wasser- und Nahrungsmittelmangel. Fast eine Million Nutztiere sind verendet. Bereits mehr als 671 000 Menschen haben kürzlich ihre Heimat in Somalia verlassen, weil fast 90 Prozent des Landes von einer schweren Dürre betroffen sind.

Angesichts der drohenden Hungerkatastrophe mahnt Oxfam die internationale Gemeinschaft zum Handeln. »Wir rufen die Regierungen insbesondere der Getreide exportierenden Länder auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um geeignete Alternativen zu den Lieferungen der Ukraine in einkommensschwache, von Nahrungsmittelimporten abhängige Länder zu finden«, so Bucher. Man appelliere an alle Geber, die Finanzierungslücke des humanitären Appells der Vereinten Nationen dringend zu schließen.

So weist die Nothilfeorganisation daraufhin, dass die humanitäre Hilfe völlig unterfinanziert sei. Nur drei Prozent der insgesamt sechs Milliarden US-Dollar, die die Vereinten Nationen 2022 für die humanitäre Hilfe in Äthiopien, Somalia und den Südsudan aufbringen müssen, sind laut Oxfam bisher finanziert worden. Der Hilfsbedarf Kenias ist bisher nur zu elf Prozent gedeckt. »Die internationale Gemeinschaft muss jetzt dringend handeln«, fordert deshalb Bucher.

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