Krieg birgt Risiken für den Arbeitsmarkt

Noch sinkt die Erwerbslosenzahl in Berlin und Brandenburg

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Die Arbeitsagenturen in Berlin und Brandenburg unterstützen die ukrainischen Geflüchteten, die hier arbeiten wollen, mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, von der Beratung bis zur Jobvermittlung.« Das verspricht Regionaldirektionschefin Ramona Schröder am Donnerstag. »Darauf sind wir vorbereitet, dafür sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerüstet«, versichert sie. Man könne Flüchtlinge schnell beraten und Jobs anbieten. Die Chancen, eine Arbeit zu finden, seien gut. »In der Region Berlin-Brandenburg gibt es derzeit um die 50 000 freie Stellen.«

Konkret sind den Arbeitsagenturen 21 687 freie Arbeitsplätze in Berlin gemeldet und 28 296 in Brandenburg. Allerdings sind auf der anderen Seite 179 586 Berliner und 73 368 Brandenburger erwerbslos. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt allerdings - im Vergleich zum Februar wegen der bekannten Frühjahrsbelebung, aber auch im Vergleich zu den Werten von März vergangenen Jahres. Binnen eines Jahres fiel die Berliner Arbeitslosenquote um 1,7 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent, die Brandenburger Quote sank um 0,9 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. In Brandenburg liegt die Arbeitslosenquote damit bereits wieder deutlich unter dem Niveau während der Coronakrise, in Berlin ist das noch nicht der Fall.

»Grundsätzlich ist der Trend am Arbeitsmarkt positiv«, erklärt Regionaldirektionschefin Schröder. Die Zahl der Beschäftigten habe in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um 65 600 zugenommen, in Brandenburg betrage der Zuwachs 16 200. Allerdings bestehen wegen des Krieges in der Ukraine und den daraus folgenden wirtschaftlichen Belastungen Unsicherheiten, die sich auf den Arbeitsmarkt auswirken können, macht die Arbeitsagentur deutlich.

»Der Krieg in der Ukraine bedeutet für viele Unternehmen in Berlin und Brandenburg Unwägbarkeiten und eine ungewisse Zukunft«, bestätigt Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der hiesigen Unternehmensverbände. »Die enorm gestiegenen Preise für Energie, Rohstoffe und Vorprodukte sowie brüchige Lieferketten sind ein Stresstest für die Wirtschaft«, sagt er. »Wir befürchten, dass sich das früher oder später auf dem Arbeitsmarkt in der Hauptstadtregion bemerkbar machen wird. Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften geht bereits leicht zurück.« Eine sichere Energieversorgung vor allem der Industrie sei unverzichtbar. Ein Embargo auf russisches Gas hätte »unkalkulierbare und dramatische Folgen für viele Branchen und für die Beschäftigten«.

Die Berliner Industrie- und Handelkammer richtet den Blick auf junge Ukrainer. Damit diese einen Ausbildungsplatz erhalten, »müssen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen schnell erteilt und berufliche Kompetenzen bestenfalls bereits bei der Registrierung erfasst werden«, meint Hautgeschäftsführer Jan Eder. »Stellen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen sollten zügig personell aufgestockt und der Spracherwerb durch ausreichend Plätze unbürokratisch sichergestellt werden.«

Informationen für ukrainische Kriegsflüchtlinge auch in ihrer Sprache gibt es auf der Internetseite der Regionaldirektion der Arbeitsagentur sowie unter der Telefonnummer (0911) 178 79 15.

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