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Auf sicherem Börsenkurs

Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall verdient am Krieg – und an dessen Vorbereitung in Russland

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 4 Min.
Deutsche Panzer - wie hier ein
Deutsche Panzer - wie hier ein "Puma" - sind wieder gefragt.

Gerade hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri seinen Rüstungsbericht für 2021 vorgelegt. In der Liste belegte Deutschland Platz 7. Der von Russland vor gut zwei Monaten gegen die Ukraine losgetretene große Krieg wird in diesem Ranking für manche Verschiebungen sorgen. Nicht nur, weil Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nur wenige Tage nach Kriegsbeginn ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr angekündigt hat. Der Rüstungsetat steigt ohnehin, und fast täglich ist über neue Exportverträge zu berichten.

Jüngst hat die Bundesregierung nun auch noch zwei Milliarden Euro zusätzlich für Waffenkäufe zur Verfügung gestellt. Davon sind rund 1,4 Milliarden für die Bewaffnung der Ukraine bestimmt. 400 Millionen werden in die sogenannte European Peace Facility einfließen. Gut für die Wirtschaft, heißt es an den Börsen. Gut für die Beschäftigung, hört man aus Gewerkschaftskreisen. Beispiel Rheinmetall. Die Aktienkurse des großen deutschen, aber auch international gut aufgestellten Rüstungskonzerns haben sich auf hohem Niveau eingependelt. Wer sich die Jobangebote der Landsysteme GmbH mit ihren Niederlassungen in Unterlüß, Kassel, Kiel, Flensburg und Hamburg anschaut, kommt aus dem Staunen kaum heraus.

Man ist stolz auf »die umfassende Kampfpanzer-Systemexpertise«, will dabei mit dem »Lynx«, der demnächst auch in der Slowakei hergestellt werden soll, neue Wege gehen. Der Schützenpanzer »Puma« bestimmt – obwohl verspätet und nicht qualitätsgerecht geliefert – die Zukunft des deutschen Heeres. Als Radpanzer stellt man »Boxer« und »Füchse« bereit, dazu allerlei Pioniergerät und Transporttechnik.

Russland hatte den Krieg gegen die Ukraine kaum begonnen, da stand Rheinmetall »auf der Matte«. Man war bereit, ein großes Stück der ukrainischen Waffenwunschliste abzuarbeiten. Doch neues Material läuft nicht so schnell vom Band. Und es ist teuer. Da erinnerte man sich bei Rheinmetall, dass man noch einige Hallen voll hat mit Material, das Militärs verschiedener Staaten als überzählig zurückgegeben haben – zumeist, nachdem es seine Nutzungsgrenze erreicht hatte. Dazu gehört der Kampfpanzer »Leopard 1«. Der lief vom Band, als Konrad Adenauer Kanzler in Bonn war. 150 Exemplare könne Rheinmetall in kurzer Frist in die Ukraine liefern, hieß es. Wenn die Bundesregierung dem Export schwerer Waffen zustimmt, ließen sich im Rahmen eines Ringtausches mit der Türkei und Griechenland, deren Armeen den Typ noch auf dem Hof stehen haben, ein paar Hundert mehr verkaufen. Auch wenn es derzeit nicht genügend Munition für die Veteranen gibt. Für die Logistik und die Ausbildung der Besatzungen hoffte man, die Bundeswehr gewinnen zu können. Den Trick wollte man auch bei der Lieferung von gebrauchten »Marder«-Schützenpanzern anwenden. Die sollten direkt von der Truppe geliefert werden. Rheinmetall versprach, die Depots rasch wieder aufzufüllen.

Die Koalitionäre von FDP und Grünen klatschten und machen noch immer Lobbyarbeit für Rheinmetall. Doch haben die Manager ihre üppige Rechnung ohne die Bundeswehr und den Kanzler gemacht. Vorerst noch. Denkbar, dass die USA den Druck erhöhen, wenn Verteidigungsminister Lloyd Austin mit anderen Nato-Kollegen im deutschen Ramstein über einer Langzeitrüstungsstrategie für die Ukraine spricht. Das jedenfalls verlautete am Wochenende aus dem Pentagon. Angeblich hat Rheinmetall dieser Tage bereits eine Exportgenehmigung für 100 »Marder« beantragt. Der Bundessicherheitsrat wird entscheiden – wie immer geheim.

Doch bereits so ist Rheinmetall bestens im Geschäft. Unter anderem mit dem Radpanzer »Boxer«. Bisher sind rund 1500 Fahrzeuge in 20 unterschiedlichen Versionen geliefert worden oder bereits bestellt. Er wird in vier Nato-Staaten, in Deutschland, den Niederlanden, Litauen und dem Vereinigten Königreich eingesetzt. Nun hat London zusätzlich 100 Stück bestellt. Auch Litauen, das bereits über 88 »Boxer« verfügt, will weitere 120 Stück kaufen. In anderen Staaten preist man – in Kooperation gebaute – Radargeräte an, modernisiert die Mörser der Bundeswehr, wartet Hubschrauber. Auch in Sachen »Verbrauchsmaterial« ist der Konzern lieferbereit. Das ungarische Verteidigungsministerium hat jüngst ein umfangreiches Munitionspaket im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro bestellt. Bis 2031 soll alles geliefert werden – zumeist aus ungarischen Rheinmetall-Fabriken.

Dabei gerät ein Projekt von Rheinmetall aus den vergangenen Jahren in Vergessenheit. Das High-Tech-Gefechtsfeldübungszentrum im russischen Mulino, etwa 330 Kilometer östlich von Moskau. Erst nachdem Russland Anfang 2014 die Krim annektierte, untersagte die Bundesregierung Rheinmetall weitere Lieferungen. Man kann davon ausgehen, dass dieses Übungszentrum bei der Ausbildung der russischen Truppen beachtliche Möglichkeiten bietet.

Im September 2021 kam sogar Russlands Präsident nach Mulino, um ein gemeinsames Manöver russischer und belarussischer Truppen zu verfolgen. Man kann davon ausgehen, dass die Soldaten unter Wladimir Putins Augen nach einem bereits fertigen Ukraine-Angriffsplan gedrillt worden sind.

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