Windkraft geht die Puste aus

Nach einem Zwischenhoch droht der alternativen Branche wieder Einbruch

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Ab 2024 will das kanadische Unternehmen Rocktech am südbrandenburgischen Standort Guben Lithium aufbereiten. Das superleichte Metall wird für die Batterien von Elektroautos in reiner Form benötigt. Um es zu erzeugen, plane man den ersten Lithium-Konverter Europas, berichtet Vorstand Dirk Harbecke am Donnerstag. Sein Unternehmen will in Guben 470 Millionen Euro investieren und in der Anlage 160 Mitarbeiter beschäftigen.

Harbecke informiert darüber am Rande eines Branchentages des Berlin-Brandenburger Verbands Erneuerbare Energie (BEE) im Andel’s Hotel in der Hauptstadt. Er betont dabei, dass der Energiebedarf der Anlage mit Ökostrom gedeckt werden soll. Für grüne Batterien brauche man grüne Rohstoffe, die möglichst ohne CO2-Ausstoß hergestellt werden sollen. Das liege im Trend. »Von Seiten der Konsumenten und der Wirtschaft ist die Nachfrage nach erneuerbarer Energie extrem hoch.« Ähnlich hatte sich am Dienstagabend Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) geäußert. Er hatte gesagt, die Erneuerbaren seien die Zukunft Brandenburgs, da Firmen wie der US-Autokonzern Tesla sich nur noch da ansiedeln, wo solche Energien verfügbar seien.

Aber das könnte ein Problem werden. Nach einer Prognose des Netzbetreibers 50Hertz steigt der Strombedarf im Großraum Berlin-Brandenburg bis 2030 um fast 17 Terawattstunden. Allein in Berlin würden dann 21 Terawattstunden im Jahr verbraucht werden.

Im Moment sieht es gut aus beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. 104 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 412 Megawatt (MW) wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg gebaut, 15 Anlagen mit zusammen 16 MW abgebaut. Unter dem Strich ist das für BEE-Sprecher Jan-Hinrich Glahr ein erfreuliches Ergebnis nach der Delle der Jahre ab 2018, als weniger als 300 MW und teils kaum mehr als 200 MW zugebaut worden sind. Auch im laufenden Jahr scheint sich der positive Trend fortzusetzen. Im ersten Quartal seien schon 21 Windräder mit insgesamt 93 Megawatt Leistung errichtet worden und für den Rest des Jahres werde es voraussichtlich so weitergehen, erwartet Glahr. Doch in zwei Jahren könnte der Höhenflug schon wieder enden. Denn es wurden im ersten Quartal 2022 nur noch 13 Genehmigungen für neue Windräder in Brandenburg erteilt - »weniger als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr«, bedauert Glahr. Wenn sich dies so fortsetzt wie es zu befürchten sei, dann werde man erneut auf weniger als 300 Megawatt pro Jahr zusätzlich oder sogar nur 200 zurückfallen. »Das wäre eine Katastrophe.«

Glahr vermutet, dass die allesamt ungültigen Regionalpläne für Brandenburgs Teilgebiete für das jetzige Stocken der Genehmigung von Windrädern verantwortlich sind. Zwar können von der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg Sondergenehmigungen erteilt werden und das habe zuletzt auch gut funktioniert. Nun scheine dieses Behelfsmittel aber langsam ausgereizt. »Man kann nicht abwarten«, warnte Jan-Hinrich Glahr an die Adresse von Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU). Aber auch das Ressort von Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sieht er in der Pflicht. 1,7 Prozent der Landesfläche stehen für Windräder zur Verfügung. Perspektivisch müssten es drei Prozent sein, findet Glahr.

Was Solarzellen betrifft, kann er einen erstaunlichen Zuwachs melden. Beim Biogas gehe es gegenwärtig darum, den Bestand wenigstens zu halten. Das beklagt der Experte. Denn Biogasanlagen könnten »eine wichtige Rolle bei dem Streben nach Unabhängigkeit von russischem Erdgas spielen«.

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