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  • Sächsische Schweiz und Elstertal

Die schönsten Zugstrecken fürs Neun-Euro-Ticket

Das Ticket gilt für den Nah- und Regionalverkehr: So lassen sich viele besonders schöne Bahnlinien erkunden

  • Von Roswitha Bruder-Pasewald
  • Lesedauer: 7 Min.
Eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands: Entlang der Elbe durch die Sächsische Schweiz
Eine der schönsten Bahnstrecken Deutschlands: Entlang der Elbe durch die Sächsische Schweiz

Das Neun-Euro-Ticket kommt. Zwar sind noch nicht alle Fra­gen geklärt, doch am 1. Juni soll es erhält­lich sein – das Ticket, das Fahr­ten mit Bus und Bahn unglaub­lich preis­wert machen wird. Eigent­lich soll­te das Vor­ha­ben, das die Deut­schen über gehö­rig gestie­ge­ne Ener­gie­prei­se hin­weg­trös­ten soll, im Mai an den Start gehen, doch die Abstim­mung mit den Län­dern, Kom­mu­nen sowie den Ver­kehrs­ver­bün­den zog sich hin. Die Ver­zö­ge­rung bringt sogar Vor­tei­le mit sich, denn jetzt fällt der Gel­tungs­zeit­raum in die Ferienzeit.

Für neun Euro im Monat Bus und Bahn fah­ren: Da dürf­ten selbst Autof­e­ti­schis­ten mal den eige­nen fahr­ba­ren Unter­satz ste­hen las­sen. Drei Mona­te lang soll es das Ticket geben, und es wird – im Gegen­satz zu den ursprüng­li­chen Pla­nun­gen – bun­des­weit gül­tig sein. Das heißt: Wer in Frank­furt sein Neun-Euro-Ticket kauft, kann auch in Regio­nal­bah­nen und Bus­sen in Bay­ern oder Meck­len­burg-Vor­pom­mern unter­wegs sein. Nur Fern­ver­bin­dun­gen mit­tels ICE oder IC sind ausgeschlossen.

Doch auch ohne die­se Renn­pfer­de der Bahn lohnt sich der Kauf des Tickets. Immer­hin sum­miert sich das Schie­nen­netz in Deutsch­land laut »Alli­anz pro Schie­ne« auf über 38 000 Kilo­me­ter. Auf vie­len Stre­cken gilt zudem das Mot­to »Der Weg ist das Ziel«, weil sie durch land­schaft­lich beson­ders schö­ne Regio­nen füh­ren. Wer das Kurs­buch genau stu­diert und etwas Zeit mit­bringt, kann ganz Deutsch­land mit Regio­nal­zü­gen durch­que­ren. Denn in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­stan­den extrem lan­ge Lini­en, teil­wei­se durch die hal­be Repu­blik. Dabei lernt man Regio­nen ken­nen, die man bis­her womög­lich nicht auf dem Urlaubs­ra­dar hat­te. Eine sub­jek­ti­ve Aus­wahl der schöns­ten Zug­stre­cken in Deutsch­land, auf denen das Neun-Euro-Ticket gilt:

Durch den Schwarzwald

Von der Baden-Metro­po­le Karls­ru­he an den Boden­see und wie­der zurück: Das ist seit über 150 Jah­ren dank der Schwarz­wald­bahn mög­lich. Kaum Brü­cken, vie­le Tun­nel: Die­ses Ziel ver­folg­te der genia­le Bau­meis­ter Robert Ger­wig, der die Tras­se regel­recht an den Berg »kleb­te«. Die eigent­li­che Beson­der­heit sind die bei­den Kehr­schlei­fen, um den Höhen­un­ter­schied von rund 400 Metern zwi­schen Horn­berg und Som­mer­au zu bezwin­gen. Die Inge­nieu­re lie­ßen sich etwas ein­fal­len. 11 Kilo­me­ter Luft­li­nie lie­gen zwi­schen den Orten, die Bahn­stre­cke aber wur­de auf 26 Kilo­me­ter aus­ge­dehnt. Drei Stun­den dau­ert die Fahrt von Karls­ru­he nach Konstanz.

Mit dem Zug ins Allgäu

Auch Bay­ern hat vie­le schö­ne Regio­nal­bahn­li­ni­en – bei­spiels­wei­se die Stre­cke von Frei­las­sing nach Berch­tes­ga­den mit dem Natio­nal­park oder die Mit­ten­wald­bahn, die durch das Kar­wen­del­ge­bir­ge führt. Nicht weni­ger schön ist die Stre­cke von Mün­chen nach Füs­sen. Ein­mal pro Stun­de star­tet die BRB Rich­tung Königs­schlös­ser. In der baye­ri­schen Metro­po­le zeich­nen sich die Alpen­gip­fel sche­men­haft am Hori­zont ab, doch mit jedem zurück­ge­leg­ten Kilo­me­ter domi­nie­ren sie mehr die Sze­ne­rie. Knapp zwei Stun­den dau­ert die Fahrt durch eine ech­te Post­kar­ten­idyl­le, an deren Ende die Qual der Wahl steht: Wan­dern bei­spiels­wei­se auf dem Lech­weg – oder Besuch auf Schloss Neuschwanstein.

Schmuckstück im Vogtland

Tra­di­ti­on seit 140 Jah­ren: Die Stre­cke der Els­ter­tal­bahn mit 30 Bahn­hö­fen und Hal­te­punk­ten ist die brü­cken­reichs­te Bahn­li­nie Euro­pas und ein treu­er Beglei­ter der Wei­ßen Els­ter. Zwi­schen sei­ner Quel­le nahe der böh­mi­schen Stadt Cheb und der Otto-Dix-Stadt Gera in Thü­rin­gen prä­sen­tiert sich der Fluss als reins­tes Natur­idyll mit sel­te­ner Flo­ra und Fau­na. Die Land­schaft ist wie geschaf­fen für aus­ge­dehn­te Wan­de­run­gen oder erleb­nis­rei­che Rad­tou­ren. So ver­läuft ein Teil­stück des 400 Kilo­me­ter lan­gen Thü­rin­gen­we­ges durch die Tal­aue der Wei­ßen Els­ter. Ent­lang der 140 Kilo­me­ter lan­gen Stre­cke fin­den sich unzäh­li­ge his­to­ri­sche und kul­tu­rel­le Sehens­wür­dig­kei­ten, die von der lan­gen Geschich­te des Vogt­lands erzäh­len – wie das unte­re Schloss von Greiz, die über 1000 Jah­re alte Veits­kir­che in Wün­schen­dorf oder die Els­ter­tal­brü­cke, gebaut aus 12 Mil­lio­nen Ziegelsteinen.

Ins Elbsandsteingebirge

Zuge­ge­ben: Die Fahrt von Dres­den nach Bad Schandau dau­ert nur 44 Minu­ten, doch die Rou­te durch die Säch­si­sche Schweiz zählt sicher zu den schöns­ten Stre­cken Deutsch­lands. Die Glei­se schmie­gen sich an die Elbe; an bei­den Ufern lie­gen hüb­sche Ort­schaf­ten. Dahin­ter tür­men sich die bizar­ren Fel­sen des Elb­sand­stein­ge­bir­ges auf, das Maler wie Cas­par David Fried­rich inspi­riert hat. Wer die kur­ze Rei­se mit­tels S‑Bahn zu einem tag­fül­len­den Aus­flug erwei­tern möch­te, wan­dert von Bad Schandau zu den Schramm­stei­nen und fährt mit der Wei­ßen Flot­te nach Dres­den zurück. Von dort gibt es übri­gens Anschluss an einen Regio­nal­ex­press ins baye­ri­sche Hof.

Brandenburgs »Superlinien«

Eigent­lich sind Regio­nal­bah­nen auf mitt­le­re Ent­fer­nun­gen aus­ge­legt – was immer der Begriff auch bedeu­ten mag. Doch die berühm­ten Bran­den­bur­ger »Super­li­ni­en« geben sich nicht mit kur­zen Distan­zen zufrie­den, brin­gen es teil­wei­se gar auf meh­re­re Hun­dert Kilo­me­ter. Alle zwei Stun­den geht es bei­spiels­wei­se von der Luther­stadt Wit­ten­berg ohne Umstieg nach Stral­sund – 342 Kilo­me­ter lie­gen zwi­schen bei­den Städ­ten. Und die Dop­pel­stock­wag­gons der RE2 legen auf ihrem Weg von Cott­bus nach Wis­mar sogar 367 Kilo­me­ter zurück und pas­sie­ren dabei Orte wie Lüb­ben­au im Spree­wald oder Wit­ten­ber­ge, das Tor zur Elb­tal­aue, aber auch Metro­po­len wie Berlin.

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