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Die Bahn kommt, bevor die Kohle geht

Erster Spatenstich für die neuen Hallen des DB-Instandhaltungswerkes in Cottbus

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 5 Min.
Kanzler Scholz, Bahnchef Lutz und DB-Vorstand Daniela Gerd tom Markotten auf dem Baufeld unterwegs zum symbolischen Spatenstich
Kanzler Scholz, Bahnchef Lutz und DB-Vorstand Daniela Gerd tom Markotten auf dem Baufeld unterwegs zum symbolischen Spatenstich

Längs der Wil­helm-Külz-Stra­ße am Haupt­bahn­hof Cott­bus sind Bag­ger, Kies­ber­ge und eine Bau­gru­be zu sehen. Hier wird am Diens­tag­mor­gen ein sym­bo­li­scher ers­ter Spa­ten­stich gesetzt. Die Deut­sche Bahn (DB) erwei­tert am Stand­ort ihr Instand­hal­tungs­werk um zwei neue Hal­len. Hier sol­len bereits in zwei Jah­ren statt den ursprüng­lich geplan­ten vier, wenn die ers­te der bei­den Hal­len fer­tig ist, ICE-Züge gewar­tet wer­den. »Das ist außer­plan­mä­ßig schnell«, rühmt am Diens­tag Danie­la Gerd tom Mar­kot­ten, die im DB-Vor­stand für Digi­ta­li­sie­rung und Tech­nik zustän­dig ist.

Die Bahn drückt aufs Tem­po. Die Kapa­zi­tä­ten wer­den drin­gend gebraucht. Noch sind ledig­lich knapp 100 Fern­zü­ge des Typs ICE 4 auf den Stre­cken unter­wegs. Bis 2024 aber sol­len es 137 sein und Ende des Jahr­zehnts dann schon 450.

Um die­se Men­ge zu bewäl­ti­gen, soll die Revi­si­on eines ICE-Zuges in den neu­en Cott­bu­ser Hal­len nur zwei Wochen dau­ern. Bis­her dau­ert es fünf Wochen, die Türen, Kupp­lun­gen, Dreh­ge­stel­le, Rad­sät­ze, Brem­sen und ande­re Tei­le zu war­ten und gege­be­nen­falls aus­zu­tau­schen. »Züge sol­len rol­len und nicht ste­hen«, erklärt Gerd tom Mar­kot­ten die Eile. Die Beschleu­ni­gung soll durch moderns­te Hal­len gelin­gen, die der DB dann in Cott­bus zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den. Die erhöh­ten Glei­se ermög­li­chen es den Arbei­tern, beque­mer als bis­lang an die Rad­sät­ze her­an­zu­kom­men. Außer­dem wer­den in die Böden der Hal­len eigens ent­wi­ckel­te Dreh­ge­stell­wechs­ler ein­ge­setzt. So kön­nen die Arbei­ter die Dreh­ge­stel­le seit­lich her­aus­fah­ren. Schwe­res Heben entfällt.

Die ers­te Hal­le mit zwei Glei­sen wird 435 Meter lang, die zwei­te Hal­le mit vier Glei­sen 500 Meter. Der Clou dabei: auch die 374 Meter lan­gen XXL-ICE mit 13 Wagen und 918 Sitz­plät­zen kön­nen in gan­zer Län­ge ein­fah­ren, von den kür­ze­ren ICE mit sie­ben Wagen pas­sen zwei hin­ter­ein­an­der auf ein Gleis. Auch das beschleu­nigt nach DB-Anga­ben die Wartungszeit.

Eine Mil­li­ar­de Euro wer­den inves­tiert. Mög­lich wird das durch die Mit­tel des Bun­des und der Län­der für den Struk­tur­wan­del in den Braun­koh­le­re­vie­ren. Die Lau­sitz müs­se in Zukunft ohne die Braun­koh­le aus­kom­men, aber auch dank des Bahn­werks mit 1200 zusätz­li­chen Beschäf­tig­ten behal­te sie »ihre Iden­ti­tät als Indus­trie­re­gi­on«, ver­si­chert Bran­den­burgs Minis­ter­prä­si­dent Diet­mar Woid­ke (SPD). Er hofft, dass das Bau­pro­jekt im Zeit- und Kos­ten­rah­men bleibt – trotz des Krie­ges in der Ukrai­ne mit sei­nen Fol­gen für Mate­ri­al und Prei­se. Auch Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) ist zum ers­ten Spa­ten­stich gekom­men. »Ich bin ja schon drei­mal hier gewe­sen. Beim fünf­ten Mal möch­te ich einen Mit­ar­bei­ter­aus­weis und eine Ein­la­dung in die Kan­ti­ne«, scherzt er. Dass die­ses Pro­jekt »ein Auf­bruchs­si­gnal für ganz Ost­deutsch­land« sein könn­te, meint er ernst. »Der Bau des neu­en Bahn­werks in Cott­bus zeigt, wie der Struk­tur­wan­del gelin­gen kann.« Der Kanz­ler erwähnt auch die Eröff­nung der Tes­la-Fabrik für Elek­tro­au­tos in Grün­hei­de bei Ber­lin, bei der er am 22. März eben­falls zuge­gen war.

Nach Ansicht von Bahn­chef Richard Lutz schlägt das »Herz der Elek­tro­mo­bi­li­tät« jedoch nicht in Grün­hei­de, son­dern hier in Cott­bus. Für Lutz ist der Spa­ten­stich »ein Sym­bol des Wan­dels« und ein »star­kes Sym­bol für eine star­ke Schie­ne«. Er sagt: »Das Wachs­tum bei dem grüns­ten aller Ver­kehrs­mit­tel ist unge­bro­chen.« Ostern sei­en in den Fern­zü­gen erst­mals mehr Fahr­gäs­te beför­dert wor­den als vor der Coro­na-Pan­de­mie. 260 Mil­lio­nen Rei­sen­de im Jahr peilt die Deut­sche Bahn im Fern­ver­kehr an. »Wir brau­chen die­ses neue Werk, damit unse­re ICE-Flot­te wei­ter wach­sen kann und damit mehr Men­schen Bahn fah­ren«, erklärt Lutz. »Nur so sind unse­re Kli­ma­zie­le erreichbar.«

Das Bau­feld drau­ßen vor dem Fest­zelt, in dem die Reden gehal­ten wer­den, ist mit 500 roten Luft­bal­lons gekenn­zeich­net. Jeder Bal­lon steht für einen Job, den es in der ers­ten neu­en Hal­le geben wird. Mit der zwei­ten Hal­le kom­men 700 wei­te­re Arbeits­plät­ze hin­zu – dar­un­ter auch Aus­bil­dungs­plät­ze, wie Bahn­chef Lutz betont. Die Jugend der Lau­sitz wer­de eine Per­spek­ti­ve in der Hei­mat haben, ver­spricht er damit.

»Die Braun­koh­le geht, die Bahn kommt.« Die­sen Satz füh­ren am Diens­tag vie­le im Mun­de. Spä­tes­tens 2038 sol­len alle Koh­le­kraft­wer­ke in der Lau­sitz abge­schal­tet sein, viel­leicht auch schon 2030. Die Bahn ist, wie es aus­sieht, schnel­ler am Ziel.

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