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Die Linke hat noch Potenzial

Umfrage sah Brandenburgs Sozialisten zwischenzeitlich bei 12,5 Prozent

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 5 Min.
Landes- und Fraktionschef Sebastian Walter: Die Linke hat noch Luft nach oben.
Landes- und Fraktionschef Sebastian Walter: Die Linke hat noch Luft nach oben.

»Wel­cher Par­tei wür­den Sie am ehes­ten ihre Stim­me geben, wenn am nächs­ten Sonn­tag die nächs­te Land­tags­wahl in Bran­den­burg statt­fin­den wür­de?« Die Ant­wor­ten von 1010 Ein­woh­nern des Bun­des­lan­des auf die­se Stan­dard­fra­ge der Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­te wären geeig­net, dem gebeu­tel­ten Lan­des­ver­band der Sozia­lis­ten wie­der Mut zu machen. 12,5 Pro­zent – das ist gar kein schlech­ter Wert ange­sichts von 10,7 Pro­zent bei der Land­tags­wahl 2019 und 8,5 Pro­zent bei der Bun­des­tags­wahl 2021. Die Lin­ke scheint sich also zu sta­bi­li­sie­ren. Viel­leicht geschieht sogar, wor­auf der Lan­des­ver­band so lan­ge ver­geb­lich gewar­tet hat. Viel­leicht geht es jetzt wie­der bergauf.

Doch Pech gehabt. Das Umfra­ge­er­geb­nis, das dem »nd« erst jetzt exklu­siv vor­liegt, ist bereits von der Zeit über­holt. Denn die Info GmbH, die den Auf­trag von der Links­par­tei erhal­ten hat­te, führ­te die Befra­gung im Zeit­raum 3. bis 10. März durch. Da lag die SPD dem­nach bei 31,5 Pro­zent, die AfD bei 19 und die CDU bei 15 Pro­zent. Auf Platz vier folg­te Die Lin­ke mit 12,5 Pro­zent – erst­mals seit drei Jah­ren wie­der mit mehr als drei Pro­zent­punk­ten Abstand auf die Grü­nen. Denn den Grü­nen woll­ten nur 9 Pro­zent der Befrag­ten am ehes­ten ihre Stim­me geben. Der Voll­stän­dig­keit hal­ber: Bei der FDP waren es 6,5 Pro­zent und bei den Frei­en Wäh­lern 5,5.

Doch im Zeit­raum 21. bis 25. April ermit­tel­te das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Infra­test dimap im Auf­trag des Rund­funks RBB mitt­ler­wei­le ein aktu­el­le­res Stim­mung­bild. Der Sen­der ging damit bereits drei Tage spä­ter an die Öffent­lich­keit. Das ent­täu­schen­de Ergeb­nis: 7 Pro­zent für Die Lin­ke – der schlech­tes­te jemals ermit­tel­te Wert.

Der Lan­des­vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Wal­ter trug dies Ende April mit erstaun­li­cher Fas­sung und hat­te sogar noch die Ner­ven, schmun­zelnd zu ver­si­chern: »Alle kön­nen sich sicher sein, dass ich nicht der letz­te Lan­des­vor­sit­zen­de sein wer­de.« Sei­ne opti­mis­ti­sche Bot­schaft: Es wer­de noch ande­re Lan­des­vor­sit­zen­de nach ihm geben. Die Lin­ke wer­de nicht untergehen.

Die Zuver­sicht erklärt sich heu­te auch den Unein­ge­weih­ten. Wal­ter wuss­te ja von einem Zwi­schen­hoch sei­ner Par­tei im März. Es hat­te sich lei­der kein posi­ti­ver Trend dar­aus ent­wi­ckelt. Aber die Zahl 12,5 Pro­zent zeig­te doch eines: »Man sieht, wie hoch unser Poten­zi­al sein kann, wenn wir uns nicht mit uns selbst beschäf­ti­gen, son­dern uns auf die Pro­ble­me der Men­schen kon­zen­trie­ren.« Das sagt Wal­ter jetzt dem »nd«.

Die Lin­ke wer­de gebraucht. Ja, das sage sich so leicht dahin, bestä­tigt Wal­ter. Aber er kann bewei­sen, dass die Land­tags­frak­ti­on, deren Vor­sit­zen­der er eben­falls ist, an den rich­ti­gen The­men dran ist. Schließ­lich ermit­tel­te die Info GmbH, dass sich 88 Pro­zent der Bran­den­bur­ger Sor­gen wegen stei­gen­der Ener­gie­prei­se machen und 65 Pro­zent wegen stei­gen­der Mie­ten. Das sind The­men, um die sich die Links­frak­ti­on bereits inten­siv küm­mert. Die Wäh­ler mer­ken es nur nicht, wenn ihre Auf­merk­sam­keit abge­lenkt wird durch nerv­tö­ten­de Strei­te­rei­en inner­halb der Links­par­tei. Dann ent­ste­he bei den Men­schen der Ein­druck: »Die Lin­ke inter­es­siert sich über­haupt nicht für unse­re Pro­ble­me.« Das weiß Wal­ter. Das muss nach sei­ner Über­zeu­gung anders wer­den. Die gute Nach­richt: Ein Stück weit hat es die Par­tei selbst in der Hand. »Die Auf­ga­ben sind nicht neu. Die lie­gen auf dem Tisch. Das müs­sen wir jetzt ange­hen«, sagt Walter.

Dass die bereits tot­ge­sag­te Par­tei län­ger leben könn­te, dass sie kei­nes­falls nur bei gelern­ten DDR-Bür­gern ankommt, son­dern eine Zukunft haben kann, zeigt ein wei­te­res Ergeb­nis der März-Umfra­ge: Dem­nach konn­ten sich 18 Pro­zent der bis 34-Jäh­ri­gen vor­stel­len, Die Lin­ke auf dem Wahl­zet­tel anzu­kreu­zen – Bran­den­bur­ger also, die noch gar nicht gebo­ren waren oder die noch in den Win­deln lagen, als die DDR 1990 auf­hör­te zu exis­tie­ren. Zu die­ser Genera­ti­on gehört auch Par­tei­chef Sebas­ti­an Wal­ter. Er kam im Som­mer 1990 zur Welt.

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