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Humanitäre Mission mitten ins Kriegsgebiet

Afrogemeinden am kolumbianischen Pazifik organisieren sich gegen Kokaanbau und illegalen Bergbau

  • Von Gabriel Engelbart
  • Lesedauer: 16 Min.
Ankunft der Mission in San Antonio de Yurumanguí, wo die afrokolumbianischen Gemeinden gut organisiert sind, aber auch die Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Akteuren und staatlicher Armee zunehmen
Ankunft der Mission in San Antonio de Yurumanguí, wo die afrokolumbianischen Gemeinden gut organisiert sind, aber auch die Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Akteuren und staatlicher Armee zunehmen

Der Mor­gen in Buen­aven­tu­ra ist wol­ken­ver­han­gen und es liegt ein Nie­sel­schlei­er über der Stadt. Das ist nicht sel­ten in einer der regen­reichs­ten Regio­nen der Welt am kolum­bia­ni­schen Pazi­fik. Die hohe Luft­feuch­te kratzt an der Sub­stanz des Betons der Häu­ser und lässt Schim­mel­fle­cken über die Wän­de krie­chen. Irgend­wie riecht es über­all mod­rig und die Hand­tü­cher trock­nen eigent­lich nie so rich­tig. Der zen­tra­le Platz an der Bucht wird seit ein paar Mona­ten reno­viert, Bän­ke wur­den instal­liert und eini­ge Cafés eröff­net, deren Prei­se sich die meis­ten Einwohner*innen der bevöl­ke­rungs­reichs­ten Stadt am Pazi­fik wohl nie leis­ten wer­den können.

In Buen­aven­tu­ra, im Depart­ment Val­le del Cau­ca, lebt eine hal­be Mil­li­on Men­schen, 98 Pro­zent sind Afrokolumbianer*innen. Zur Stadt gehört auch der wich­tigs­te Hafen Kolum­bi­ens. 60 Pro­zent des kolum­bia­ni­schen Außen­han­dels wer­den hier abge­wi­ckelt. Eigent­lich müss­ten die Ein­nah­men für die Stadt­ver­wal­tung spru­deln und die Men­schen in Wohl­stand leben. Doch Kor­rup­ti­on und die Pri­va­ti­sie­rung des Hafens im Jahr 1991 haben die Stadt in eine ein­zi­ge Mise­re ver­wan­delt. Obwohl laut Sta­tis­ti­ken das Wirt­schafts­wachs­tum hoch ist, leben 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in Armut und sogar über 40 Pro­zent in extre­mer Armut. Die Arbeits­lo­sen­zah­len lie­gen bei fast 70 Pro­zent und damit um ein Viel­fa­ches höher als im Rest des Landes.

Seit Jahr­zehn­ten voll­zieht sich in der Stadt mit einem der höchs­ten Gewalt­in­di­zes der Welt eine huma­ni­tä­re Tra­gö­die, die von sys­te­ma­ti­schen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen­über der über­wie­gend afro­ko­lum­bia­ni­schen Bevöl­ke­rung unter Betei­li­gung des Staa­tes gekenn­zeich­net ist. Die über­bor­den­de Gewalt liegt unter ande­rem an der stra­te­gi­schen Lage des Hafens. Bewaff­ne­te Akteu­re kon­trol­lie­ren gewalt­sam das Gebiet, um Dro­gen und Waf­fen expor­tie­ren und um Waren schmug­geln zu kön­nen. Gleich­zei­tig wird die Bevöl­ke­rung auf­grund der Hafen­aus­bau­pro­jek­te von ihren Ter­ri­to­ri­en ver­trie­ben oder man lässt sie ver­schwin­den. Es fällt schwer, sich mit einem Lächeln vor den Let­tern »I Love Buen­aven­tu­ra« ablich­ten zu las­sen. Zum Glück sind die Buch­sta­ben so auf­ge­stellt, dass im Hin­ter­grund das Meer zu sehen ist.

Zuletzt muss­ten Anfang des Jah­res 500 Men­schen aus dem Dorf Bajo Cali­ma flie­hen, weil sich Para­mi­li­tärs und ELN-Guer­ril­la Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit­ten im Dorf gelie­fert hat­ten. Bajo Cali­ma ist ein länd­li­cher Vor­ort, kei­ne hal­be Boots­stun­de über den Fluss vom Con­tai­ner­ha­fen ent­fernt. Garan­tien für eine geord­ne­te Rück­kehr gibt es nicht. Nicht zuletzt des­we­gen ver­sucht der Zusam­men­schluss afro­ko­lum­bia­ni­scher Gemein­den (Pro­ce­so de Comu­ni­dades Negras – PCN), den kol­lek­ti­ven Wider­stand zu orga­ni­sie­ren und die huma­ni­tä­re Kata­stro­phe inter­na­tio­nal sicht­bar zu machen. Die­ses Mal geht es zum Yuru­m­an­guí-Fluss, um dem Ziel eines huma­ni­tä­ren Abkom­mens mit den bewaff­ne­ten Akteu­ren Nach­druck zu verleihen.

Neben der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on sind auch Ver­tre­ter des Geflüch­te­ten­bü­ros und des Büros für huma­ni­tä­re Ange­le­gen­hei­ten der Ver­ein­ten Natio­nen anwe­send. Auch die staat­li­che Ombuds­stel­le (Defen­so­ría del Pue­blo) und die Auf­sicht staat­li­cher Behör­den haben ihre Ver­tre­ter geschickt. Ohne ihre mar­kier­ten Boo­te wäre eine Fahrt ins Kon­flikt­ge­biet wohl kaum mög­lich. Sie stei­gen in eige­ne Boo­te, getrennt von den sozia­len Aktivist*innen mit ihren Trans­pa­ren­ten, Fah­nen, Musik­in­stru­men­ten, Zel­ten und Matrat­zen. Stra­ßen­händ­ler am Steg lesen den Rei­sen­den an den Augen ab, was ihnen auf ihrer Rei­se feh­len wird. Son­nen­bril­len, Kau­gum­mis, Ziga­ret­ten, aber vor allem was­ser­dich­te Hül­len für die Han­dys und rie­si­ge schwar­ze Plas­tik­sä­cke, die das Gepäck gegen den Regen schüt­zen. Man­che set­zen auf Flip-Flops und kur­ze Hosen, ande­re auf Gum­mi­stie­fel und Regen­klei­dung. Am Ende der Fahrt wer­den ohne­hin alle nass sein, egal ob vom Regen oder von der hohen Luftfeuchtigkeit.

Vom Tou­ris­mus­ab­le­ger auf Pon­tons sind ein rie­si­ges Con­tai­ner­schiff und die gigan­ti­schen Hafen­krä­ne im Nebel­schlei­er zu sehen. Die Boo­te lie­fern sich ein Wett­ren­nen aus der brei­ten Hafen­bucht in Rich­tung offe­nes Meer. Auf offe­nem Meer neh­men die Wel­len sicht­lich zu und der Motor röhrt in den Momen­ten, wenn die Schiffs­schrau­be in der Luft hängt. Es dau­ert eine gan­ze Wei­le, bevor die Fluss­mün­dung des Yuru­m­an­guí zu sehen ist. Sie ist meh­re­re hun­dert Meter breit, aber an man­chen Stel­len nicht mal manns­tief. Wer hier bei Ebbe und Flut ein Boot steu­ert, muss wis­sen, was er tut. Die ruhi­gen Gesichts­zü­ge des Steu­er­manns las­sen erah­nen, dass er genü­gend Rou­ti­ne besitzt.

In den wind­ge­schütz­ten Buch­ten hin­ter der Mün­dung ste­hen Pfahl­bau­ten aus Holz, die Ebbe und Flut trot­zen. Als die Ers­ten ihre Han­dys zücken, pfeift sie der Steu­er­mann zurück und macht mit einer Hand­be­we­gung klar, dass das kei­ne gute Idee ist. Fotos sei­en aus Sicher­heits­grün­den am Fluss ver­bo­ten. Kurz dar­auf wird klar, dass der Mann nicht scherzt. Am Ufer vor dem ers­ten Dorf hängt ein groß­flä­chi­ges Pla­kat: Über zwei Fotos von Per­so­nen mit Waf­fen und Mili­tär­uni­for­men steht »FARC-EP Fren­te Jai­me Mar­tí­nez. 57 años de lucha«. Jetzt hat auch der Letz­te ver­stan­den: Wir befin­den uns mit­ten im Kriegs­ge­biet. Hier hat die Farc-Dis­si­denz das Sagen, die sich 2016 gegen das Frie­dens­ab­kom­men mit der Regie­rung aus­ge­spro­chen hat und mitt­ler­wei­le wie­der in wei­ten Lan­des­tei­len aktiv ist.

Der Fluss wird schma­ler und die Regen­wäl­der wer­den dich­ter. Nur an man­chen Stel­len ist der grü­ne Tep­pich von Koch­ba­na­nen­plan­ta­gen, Zucker­rohr- oder Mais­fel­dern durch­bro­chen. Die schwe­ren Wol­ken hän­gen über den stei­len Fels­wän­den, die aus dem Was­ser ragen. Und die Trans­pa­ren­te der FARC-EP-Dis­si­denz hän­gen vor jedem Dorf, an dem das Boot vor­bei­zieht. Bli­cke wer­den getauscht, ab und an nickt man sich zu, aber Freu­de über die Gäs­te sieht anders aus. Nach sie­ben Stun­den Fahrt eröff­net sich in einer Fluss­kur­ve der Blick auf zahl­rei­che Holz­häu­ser und eine Kir­che am obe­ren Hang. San Anto­nio de Yuru­m­an­guí ist erreicht, der größ­te Ort am Fluss mit cir­ca 3800 Einwohner*innen.

Flink wird das Gepäck am Anle­ger nach oben gereicht und ins Dorf geschafft. Auf den ers­ten Blick sieht es beschau­lich aus. Men­schen plau­dern rau­chend auf die Holz­bal­kons gelehnt, Blu­men­töp­fe zie­ren die vom Regen gezeich­ne­ten Holz­plan­ken der Häu­ser, es riecht nach Kori­an­der und Ros­ma­rin. Der Blick auf den Fluss und den Regen­wald ist atem­be­rau­bend. Auf einem Pla­kat am kom­mu­ni­tä­ren Kul­tur­haus sind die Regeln für bewaff­ne­te Akteu­re ange­schla­gen: Im Dorf sei­en kei­ne Waf­fen erlaubt und die Bewohner*innen sei­en als Zivi­le zu respek­tie­ren. Eine Frau ruft Namen von einer Lis­te auf und teilt den Men­schen ihre Unter­brin­gung in Pri­vat­häu­sern zu. Über­nach­tet wird auf Matrat­zen mit Mos­ki­to­net­zen. Das ist mehr, als die meis­ten Gäs­te erwar­tet hat­ten. Die Gemein­de ist bes­tens orga­ni­siert und hat sich minu­ti­ös auf den Besuch vorbereitet.

Hier wird alles kol­lek­tiv orga­ni­siert. Seit 1998 ist der Gemein­de­rat am Yuru­m­an­guí offi­zi­ell vom Staat als Selbst­ver­wal­tung aner­kannt. Das kol­lek­ti­ve Ter­ri­to­ri­um umfasst ins­ge­samt 54 000 Hekt­ar und kann nicht pri­vat ver­äu­ßert wer­den. Im Zuge der ver­fas­sung­ge­ben­den Ver­samm­lung im Jahr 1991 setz­ten die Afro­ge­mein­den durch, dass sie als Nach­fah­ren afri­ka­ni­scher Sklav*innen einen Rechts­an­spruch auf das Land ihrer Ahnen haben. Ver­schlepp­te Sklav*innen aus Afri­ka hat­ten sich vor ihren Peiniger*innen ver­steckt und in schwer zugäng­li­che Regio­nen in Sicher­heit gebracht. Die Ber­ge und Flüs­se hin­ter der west­li­chen Andenkor­dil­le­re, umge­ben von rie­si­gen Man­gro­ven­wäl­dern, boten ein will­kom­me­nes Versteck.

Ein Jahr nach der Ver­fas­sung von 1991 hat­ten sich die Afro­ge­mein­den der 13 Dör­fer zur »Gemein­schaft Ver­ei­nig­ter Schwar­zer des Yuru­m­an­guí-Flus­ses« zusam­men­ge­schlos­sen, um ihr Ter­ri­to­ri­um zu schüt­zen. Denn die Gold­vor­kom­men, die Edel­höl­zer und die Bio­di­ver­si­tät in der tro­pi­schen Pazi­fik­re­gi­on wecken bei lega­len und ille­ga­len Akteu­ren Begehr­lich­kei­ten. »Wir wol­len hier kei­ne Berg­bau­un­ter­neh­men, die mit Maschi­nen und Che­mi­ka­li­en unser Land zer­stö­ren«, sagt Mar­cel­li­no auf der Ver­samm­lung. »Wir haben hier schon immer Gold geschürft, aber auf tra­di­tio­nel­le Art und Wei­se, ohne Ein­satz von Chemie.«

Die Afro­ge­mein­de in Yuru­m­an­guí hat von ande­ren Regio­nen gelernt, dass Berg­bau in gro­ßem Stil kaum Arbeits­plät­ze für die loka­le Bevöl­ke­rung schafft und ihre Lebens­grund­la­gen zer­stört. Denn neben dem tra­di­tio­nel­len Gold­schür­fen lebt man in Yuru­m­an­guí vom Anbau von Süß­kar­tof­feln, Mais, Zucker­rohr und Reis sowie von Wild­früch­ten, die der tro­pi­sche Regen­wald her­gibt. Und vor allem vom Fisch­fang und der Jagd im Wald. Die nach­hal­ti­ge Holz­wirt­schaft ist eine zusätz­li­che Ein­nah­me­quel­le. Aus­saat und Ern­te auf den Fel­dern wer­den gemein­schaft­lich von den Fami­li­en orga­ni­siert. Ähn­lich wie bei den Indí­ge­nas pfle­gen die Anwohner*innen eine Form des »tre­que« – einen tra­di­tio­nel­len Tausch­han­del von Lebens­mit­teln und Gebrauchs­gü­tern, je nach­dem, was jeder zur Ver­fü­gung hat.

Dass die­se Prak­ti­ken trotz Bedro­hung, Zwangs­re­kru­tie­rung und Ver­trei­bung wei­ter Bestand haben, ist bemer­kens­wert. Ende der 1980er über­nahm die FARC die Ter­ri­to­ri­al­kon­trol­le. Es dau­er­te zehn Jah­re, bis die ers­ten Para­mi­li­tärs in der Regi­on auf­tauch­ten. Die Fol­ge waren schwe­re Gefech­te und mas­si­ve Ver­trei­bungs­wel­len. Noch heu­te spukt das Hor­ror­da­tum 29. April 2001 in den Köp­fen der Gemein­de, als im Dorf El Fir­me sie­ben Per­so­nen von Para­mi­li­tärs mas­sa­kriert wur­den. Laut der Gemein­de muss­ten damals 2000 Per­so­nen aus der Fluss­re­gi­on flie­hen. Die Flüs­se sind stra­te­gisch wich­tig für den Dro­gen­han­del und daher schwer umkämpft, weil sie Trans­port­we­ge zum Pazi­fik und Rich­tung Pana­ma und Nord­ame­ri­ka bieten.

Die Ver­samm­lung wird abrupt unter­bro­chen. Es tre­ten drei Män­ner in Mili­tär­uni­form und Gum­mi­stie­feln in die Mit­te des Stuhl­krei­ses, ihre Geweh­re geschul­tert. Zwei schau­en ver­schüch­tert auf den Boden, wäh­rend der mitt­le­re eher stam­melnd ein paar Wor­te an die Ver­sam­mel­ten rich­tet. »Wir sind Mit­glie­der der FARC-EP, Mobi­le Kolon­ne Jai­me Mar­tí­nez«, sagt er mit tie­fer Stim­me. Man habe beob­ach­tet, dass Han­dy­fo­tos vom Dorf und vom Fluss gemacht wür­den, obwohl dies strengs­tens ver­bo­ten sei. An die­se Regel hät­ten sich die Gäs­te aus Sicher­heits­grün­den zu hal­ten, sonst wür­den die Gerä­te kon­fis­ziert. Man akzep­tie­re das Tref­fen, solan­ge sich alle an die Regeln hiel­ten. Kei­ne drei Minu­ten spä­ter sind sie wie­der ver­schwun­den und die Ver­samm­lung nimmt ihren Lauf, wohin­ge­gen eini­ge der Gäs­te sicht­lich irri­tiert schei­nen. Die Not­wen­dig­keit eines huma­ni­tä­ren Abkom­mens, das die Gemein­de von allen bewaff­ne­ten Akteu­ren for­dert, konn­te kaum kla­rer zum Aus­druck gebracht werden.

Die Gemein­de ist an die Prä­senz bewaff­ne­ter Akteu­re gewöhnt, auch wenn sie sich wei­ter­hin im Wider­stand befin­det und geschlos­sen dafür kämpft, aus dem Kon­flikt her­aus­ge­hal­ten zu wer­den. Das ist schier unmög­lich, denn die jun­gen Rekru­ten stam­men teil­wei­se aus den eige­nen Fami­li­en. »Man­che jun­ge Leu­te ver­lie­ren manch­mal die Ori­en­tie­rung und ihre kul­tu­rel­le Her­kunft aus dem Blick«, meint ein Dorf­be­woh­ner hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Gleich­wohl wird das kul­tu­rel­le Erbe hoch­ge­hal­ten. Bei Viche, dem am Pazi­fik typi­schen fer­men­tier­ten Schnaps aus Zucker­rohr, und zur Musik der Marim­ba, Guasá und Bom­bo wird aus­ge­las­sen getanzt und im Chor gesun­gen. Jugend­li­che in tra­di­tio­nel­ler Klei­dung geben die schnel­len Tanz­schrit­te vor, die trotz des pras­seln­den Regens selbst Geüb­te ins Schwit­zen brin­gen. Kul­tur als Widerstand.

Mario Angu­lo Sanc­ele­men­te, Spre­cher des PCN, appel­liert an die Ver­tre­ter der Ver­ein­ten Natio­nen, ihre Beob­ach­ter nicht aus Buen­aven­tu­ra zurück­zu­ho­len. »Das Frie­dens­ab­kom­men zwi­schen Regie­rung und FARC-EP wird von staat­li­cher Sei­te nicht umge­setzt und die Schwar­zen Gemein­schaf­ten gera­ten mehr denn je zwi­schen die Fron­ten. Wenn sich die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft zurück­zieht, sind wir voll­kom­men allein.« Das Ziel der Bewohner*innen von Yuru­m­an­guí ist klar. Kei­ner hier will in den Elends­quar­tie­ren der Stadt enden. Berich­te über die Ver­nach­läs­si­gung der Regi­on durch den Staat und die Fol­gen des Krie­ges wer­den immer wie­der von Sprech­chö­ren unter­bro­chen: »Das Ter­ri­to­ri­um ver­kauft man nicht, man liebt und ver­tei­digt es.« Doch die Ant­wort bleibt vage. Man wer­de die Lage im Haupt­stadt­bü­ro vor­tra­gen und auf die Not­wen­dig­keit der huma­ni­tä­ren Beglei­tung der Regi­on hin­wei­sen, heißt es. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand wird die Unzu­frie­den­heit über die Ent­schei­dun­gen der Zen­tra­le geäu­ßert. »Seit Jah­ren wird das Per­so­nal im Büro in Buen­aven­tu­ra zurück­ge­schraubt und wir sind auf­grund der pre­kä­ren Situa­ti­on voll­kom­men über­for­dert«, berich­tet eine UN-Mit­ar­bei­te­rin. Kon­kre­te Zusa­gen für die Gemein­den? Fehlanzeige.

Ein paar Tage spä­ter, die Gäs­te sind längst abge­reist, gibt die Gemein­de von San Anto­nio de Yuru­m­an­guí bekannt, dass Aben­cio Cai­ce­do Cai­ce­do und Edin­son Valen­cia Gar­cía ver­schwun­den sind. Bei­de sind Mit­glie­der des Selbst­ver­wal­tungs­ra­tes von Yuru­m­an­guí und aktiv im PCN, bekannt für ihren Ein­satz gegen den Koka­an­bau und ille­ga­len Berg­bau. Die Inter­na­tio­na­le Men­schen­rechts­kom­mis­si­on hat den kolum­bia­ni­schen Staat auf­ge­for­dert, die Suche nach den bei­den zu inten­si­vie­ren. Doch bis heu­te gel­ten sie wei­ter­hin als ver­misst. Ein hoher Preis für eine huma­ni­tä­re Mis­si­on zur Unter­stüt­zung der Afro-Gemein­den in der Regi­on um Buenaventura.

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