Politisches Unikum

Österreichs Präsident Van der Bellen strebt zweite Amtszeit an

  • Von Stefan Schocher, Wien
  • Lesedauer: 2 Min.
Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen hat einen eigenen politischen Stil entwickelt.
Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen hat einen eigenen politischen Stil entwickelt.

Der Ibiza-Skandal, der Zerfall der Regierung, ein Expertenkabinett, Neuwahlen, eine ÖVP-Grüne-Regierung, jetzt der Krieg in der Ukraine: Alexander Van der Bellen ist so ziemlich das einzige Kontinuum der österreichischen Innenpolitik der vergangenen fünf Jahre. Österreichs Staatsoberhaupt war vor ihm so etwas wie Zeremonienmeister, Banddurchschneider, Medaillenverleiher. Van der Bellens Präsidentschaft ist ein kleines Wunder im Land der Mehrheiten rechts der Mitte. Und doch ist der ehemalige langjährige Chef der Grünen der logische Amtsinhaber. Denn Sascha, wie er auch genannt wird, war unabhängig von der Parteipolitik schon immer einer der beliebtesten Politiker des Landes. Und zwar deshalb, weil er nie so ganz Politiker war, sondern viel eher der Volkswirtschaftslehre-Professor blieb, der er vor seinem Einstieg in die Politik war. Weil er geraucht hat wie ein Schlot. Wegen seines trockenen Humors mit Haltung: »Wenn zwei Männer oder zwei Frauen sich darauf versteifen, denselben Fehler zu machen wie die Heterosexuellen, sollen sie das tun können«, sagte er etwa einmal zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe. Zu phlegmatisch sei er, sagen manche. Anderen mischt er sich zu viel ins politische Tagesgeschäft ein. Kein Wort der Kritik hingegen gab es, als Van der Bellen im Juni 2018 Russlands Präsident Putin in Wien empfing, auch keins bei einem Besuch in Sotschi 2019. Der Präsident hat einen eigenen Bezug zum Osten Europas, seine Vorfahren waren im 17. Jahrhundert von Holland nach Russland ausgewandert.

Politisch aktiv wurde Alexander Van der Bellen in den 1970er Jahren zunächst bei der SPÖ. Seinen Wechsel zu den Grünen in den 1980er-Jahren beschrieb er einmal als Wandel von einem »arroganten Antikapitalisten« zu einem »großzügigen Linksliberalen«. Von 1996 bis 2008 war er der bislang am längsten amtierende Parteichef der österreichischen Grünen. Die Stichwahl nach seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten 2016 musste nach Anfechtung durch die FPÖ wiederholt werden. Bei der Wahl im Herbst wird Van der Bellen nun erneut antreten.

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