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Dämpfer für den Bitcoin-Präsidenten

El Salvadors Staatschef verzockt Staatsgeld mit Kryptowährung

El Salvadors Präsident Nayib Bukele setzt auf Bitcoin und hat damit schon viel Staatsknete verbrannt.
El Salvadors Präsident Nayib Bukele setzt auf Bitcoin und hat damit schon viel Staatsknete verbrannt.

Ein »Mekka für Kryptoenthusiasten« sollte es werden, so hat es Nayib Bukele angekündigt. El Salvadors Präsident hat den Standort in der Region La Unión bereits auserkoren, die Pläne für seine Bitcoin-City sind fertig, die nicht nur die Nähe zur zerklüfteten Bucht vom Golf von Fonseca auszeichnet, sondern vor allem zum Conchagua-Vulkan. Ziel der Pläne Bukeles ist es, die geothermische Energie des Vulkans zu nutzen – für die Generierung der energieintensiven Kryptowährung. Doch gebaut wird noch nicht und die hochtrabenden Pläne könnten schnell Makulatur werden, denn seit Monaten befindet sich der Kurs der Kryptowährung, die in El Salvador seit dem 7. September 2021 neben dem US-Dollar Leitwährung ist, auf Talfahrt.

Am 7. September 2021 mussten pro Bitcoin 44 351,76 Euro bezahlt werden, am 2. Juni dieses Jahres waren es noch 27 936,73. Das ist ein Wertverfall von knapp 40 Prozent, der für die Anleger schwer zu verdauen ist. Zu denen gehört auch El Salvador. Etwa 103 Millionen US-Dollar hat Präsident Bukele in Bitcoin investiert, die jetzt nur noch gut 60 Millionen US-Dollar wert sind. Doch Bitcoin-Fan Bukele hält das nicht ab, weiter auf die Kryptowährung zu setzen. Er hat am 9. Mai weitere 500 Bitcoin für rund 15,3 Millionen US-Dollar gekauft und erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, seinem Lieblingsmedium, dass er den »Dip«, den günstigen Preis ausnutzen wolle – auf Staatskosten. Doch seitdem sinkt der Bitcoin-Kurs weiter.

In El Salvador ist das jedoch kein großes Thema. Im September 2021 hatten sich zwar rund drei Millionen der 6,6 Millionen Salvadorianerinnen und Salvadorianer das »Chivo Wallet«, ihr virtuelles Portemonnaie, heruntergeladen, aber laut einer Studie primär um die 30-Dollar-Startbonus, die die Regierung Bukele ausgelobt hatte, mitzunehmen. »Danach hat kaum jemand mehr mit Bitcoin gezahlt. Im Alltag spielt der Bitcoin keine Rolle. Im Land zirkulieren etwa 5,6 Milliarden US-Dollar. Das ist die Währung, in der sich alles abspielt. Löhne, Pensionen, Gehälter, auch das des Präsidenten wird in US-Dollar bezahlt, nicht in Bitcoin«, sagt César Villalona.

Der Ökonom weist darauf hin, dass die rund 100 Millionen US-Dollar, die in Bitcoin investiert wurden, nur ein Bruchteil der zirkulierenden Geldmenge darstellen. »Der Bitcoin und die Statements des Präsidenten spielen im Ausland eine größere Rolle als im Inland. Auch die Bitcoin-City, die hier entstehen soll und für die ursprünglich Bitcoin-Anleihen ausgegeben werden sollten, existiert nur auf dem Papier«, so Villalona. Zum einen gäbe es bisher keine Investoren, zum anderen habe auch die Regierung begriffen, dass die Schuldscheine nicht in Bitcoin, sondern in einer Währung ausgegeben werden müssten, die real zirkuliert, so wie der US-Dollar oder der Euro.

Real ist jedoch die Schuldenfalle, in der die Regierung sitzt. Die öffentliche Verschuldung hat sich in den knapp drei Jahren der Regierung unter Nayib Bukele um rund 25 Prozent erhöht. Ende 2021 erreichte die öffentliche Verschuldung einen Wert von 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so eine Studie des Mittelamerikanischen Finanzforschungsinstituts (Icefi). Mit rund 17 Milliarden US-Dollar steht das kleinste mittelamerikanische Land in der Kreide und es ist entweder auf Kredite vom Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen oder auf massive Einsparungen im laufenden Haushalt, um Schulden in Höhe von mindestens 800 Millionen US-Dollar Anfang 2023 begleichen zu können. Frisches Geld auf dem internationalen Finanzmarkt zu bekommen ist jedoch ausgesprochen teuer, da El Salvador bereits als Risikokandidat für einen Staatsbankrott gilt und Risikozinssätze von rund 15 Prozent aufgerufen werden.

Davon kann auch der vom Präsidenten geschürte Bitcoin-Hype nicht ablenken. Dessen Regierung will in den nächsten Wochen die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Kredit über 1,3 Milliarden US-Dollar wieder aufnehmen. Der ist nötig, um die Löcher im laufenden Haushalt zu stopfen und um die Kreditverpflichtungen zu begleichen, so Analysten wie Villalona. Dabei wird auch das Thema Bitcoin wieder eine Rolle spielen.

Die Finanzexperten des Währungsfonds halten wenig von der hochvolatilen Kryptowährung. Die hat aber immerhin mehr Touristen in das Land gebracht. Taxi-Unternehmen, die Interessierte vom Flughafen direkt zum Bitcoin Beach El Zonte bringen – ein kleines Surfparadies, wo überall mit Bitcoin gezahlt werden kann – sind entstanden. Das ist ein kleiner positiver Effekt, der bisher allerdings nicht die negativen aufwiegt.

Das werde sich ändern, wird Bukele nicht müde zu behaupten. Doch die Fakten sehen anders aus.

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