Die Ostflanke im Auge

Bundeswehrgeneral Bernd Schütt macht sich Gedanken über intensive Kriegsführung

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 2 Min.
Seit Dezember 2021 Befehlshaber, gilt aber noch als »neu«: General Bernd Schütt.
Seit Dezember 2021 Befehlshaber, gilt aber noch als »neu«: General Bernd Schütt.

Einsätze führen? Das war einmal. Afghanistan: vorbei. Mali: absehbar erledigt. Jetzt kümmert die Welt, ob und wann die Ostflanke fällt. So in etwa sah es jüngst bei der Zeitenwende aus, die nun auch den Kommandeur des Einsatzführungskommandos General Bernd Schütt erreichte. Zufall mag sein, dass der 61-jährige Vater zweier Kinder am 18. März, dem Tag der Märzrevolution, das Licht der Welt erblickte. Kein Zufall war hingegen, dass er sich dieser Tage voller Kettenrasseln und Drohgebärden äußerte und dafür bei der Nachrichtenagentur dpa morgens um 4.30 Uhr und 5.30 Uhr eine breite Schneise bekam, wie das einem Panzertruppenoffizier angemessen erscheint.

Es fällt kaum ins Gewicht, dass der General Pädagogik an der Bundeswehruniversität in Hamburg studiert hat, so bedrohlich wirken seine Worte. Von der Ostflanke droht seiner Ansicht nach »größte Gefahr«. Gemeint ist kein Gefallenenfriedhof irgendwo im Osten Europas. Jedenfalls noch nicht. Schütt schwört ein auf das, was manche Westdeutsche noch aus den 1980er-Jahren kennen. »Diese Art von intensiver Kriegsführung haben wir hier so noch nicht trainiert. Da bedarf es einer Anpassung bestehender Strukturen und Verfahren«, wird Schütt zitiert und kündigt wohl an, was uns bald wieder bevorsteht: Panzer in der Heide, Truppenverlegungen und reichlich Flurschäden auf Äckern und in Wäldern, die teuer bezahlt werden. Geld ist ja aktuell genug da.

»Im Bereich der Suwalki-Lücke ist es nur ein kurzer Sprung und dort ist die Gefahr einer Testung des Verteidigungswillens und der -fähigkeit der Nato relativ groß. In diesem Raum kann man relativ schnell Truppen verlegen und dann zum Beispiel unter Einsatz von Luftlandetruppen einen ersten Stoß durchführen«, verbreitete Schütt via dpa. Die Suwalki-Lücke ist polnisch-litauisches Grenzgebiet zwischen Belarus und dem russischen Kaliningrad. Vielleicht denke Putin, die Nato komme nicht, so Schütt. Er wird wohl noch öfter rasseln. Hoffentlich aber nie um 5 Uhr 45. Es wiederholt sich schon zu viel Geschichte. Daniel Lücking

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