Als Lehrer raus aufs Land

Brandenburg lockt angehende Pädagogen mit einem Stipendium an Schulen in abgelegenen Regionen

  • Von Andreas Fritsche, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Fritz Fischer will Lehrer für Mathematik und Musik werden. Er weiß schon, wo. »Das hier ist meine Schule«, sagt er. Die Kamera zeigt das Gebäude, vor dem der junge Mann steht. Noch studiert Fischer, kennt aber seinen späteren Einsatzort – wegen des Landlehrerstipendiums von 600 Euro monatlich, das er vom Land Brandenburg bezieht. Mindestens so lange, wie er das Geld bekommt, muss er später an der Schule bleiben, an der das Bildungsministerium ihn braucht. Die Idee dabei: Die jungen Landlehrer leben sich so gut ein, dass sie ihr ganzes Berufsleben bleiben. Bei Fischer könnte das klappen. Für einen Werbespot des Bildungsministeriums sitzt er in seiner künftigen Schule am Klavier. Den Schülern macht das Spaß und dem Studenten auch. »Seitdem ich das Stipendium bekomme, muss ich nicht mehr so viel nebenbei arbeiten und kann mich mehr aufs Studium konzentrieren«, erzählt Fischer.

Ab dem fünften Semester können sich angehende Lehrer um das Stipendium bewerben. Sie müssen in ihren ersten vier Semestern insgesamt 130 Leistungspunkte gesammelt und damit bewiesen haben, dass sie ihr Studium voraussichtlich in der Regelstudienzeit abschließen werden. 25 Stipendien hat Brandenburg letztes Jahr schon vergeben, die ersten zwei Absolventinnen unterrichten bereits. Am Montag begrüßt Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die nächsten 26 Stipendiaten im Brandenburg-Saal der Potsdamer Staatskanzlei. Es gab einen Platz mehr zu besetzen als vorgesehen, weil eine Stipendiatin des vergangenen Jahrs bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt war.

»Sie wissen, dass wir gut ausgebildete Lehrer dringend brauchen«, spricht Bildungsministerin Ernst den Nachwuchs an. »Sie haben eine gute Entscheidung getroffen für dieses Bundesland. Die Lebensqualität ist sehr hoch«, sagt die Politikerin als eine, die vor fünf Jahren aus Hamburg zugezogen ist. Sie wohnt nun allerdings in Potsdam. Für diese attraktive Großstadt Lehrer zu finden, ist nicht schwierig. Dort können die Schulen aus mehreren Bewerbern auswählen. Auf dem platten Land sind die Bildungsstätten manchmal schon froh, wenn überhaupt jemand dorthin will.

Deshalb gibt es das Stipendium. Es gehe auch darum, Vorurteile abzubauen, die sogar junge Menschen entwickelten, die selbst auf dem Lande aufgewachsen seien, aber während des Studiums die Vorzüge des Lebens in der Großstadt zu genießen gelernt hätten, erläutert Maik Rettig. Er leitet im Ministerium das Referat Lehrkräftegewinnung. Sind 50 Stipendien nicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Schließlich muss Brandenburg in den kommenden Jahren tausende Lehrer einstellen, um die Kollegen zu ersetzen, die in den Ruhestand treten werden. Da wirke die Zahl 50 sehr klein, bestätigt Rettig. Aber man sende ein Signal aus. Außerdem werde man nicht mit Bewerbungen für das Stipendium überrannt. 47 Interessenten habe es dieses Jahr gegeben, die aber nicht alle die Voraussetzungen erfüllten, etwa nicht die geforderte Zahl an Leistungspunkten vorweisen konnten. Für die Zahl der Bewerbungen reichten die pro Jahr vergebenen 25 Stipendien im Moment aus, berichtet Rettig. Sollte sich das ändern, werde man beim Finanzministerium anklopfen und um eine Aufstockung bitten.

Die neuen Stipendiaten haben sich verpflichtet, später an Grund- und Oberschulen beispielsweise in Pritzerbe, Blönsdorf, Britz, Werbig oder Stülpe zu unterrichten. Die Zwillinge Paul und Johann Kasten werden nach Treuenbrietzen beziehungsweise Luckenwalde gehen. Die 22-Jährigen studieren wie viele andere Stipendiaten in Potsdam, es gibt aber auch welche, die das in Berlin, Halle, Erfurt oder Regensburg tun. Zum Stipendium gehört ein Begleitprogramm, bei dem die angehenden Lehrer auch mit ihrer späteren Schule und der Region vertraut gemacht werden.

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