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Bayerns Botschaften an Katar

Sechs Münchner Tore gegen Werder Bremen und scharfe Kritik am WM-Gastgeber

  • Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.
Herausragender Münchner: Leon Goretzka (M.) überzeugt mit starken Leistungen und klarer Meinung.
Herausragender Münchner: Leon Goretzka (M.) überzeugt mit starken Leistungen und klarer Meinung.

Gleich mehrere klare Signale Richtung Weltmeisterschaft gingen am Dienstagabend vom 6:1 (4:1) des FC Bayern gegen Werder Bremen aus – vor allem die des deutschen Nationalspielers Leon Goretzka an Katars WM-Botschafter. Khalid Salman hatte Homosexualität gegenüber dem ZDF als »geistigen Schaden« und »Sünde« bezeichnet. Angesprochen darauf, feuerte Goretzka nach dem überzeugenden Auftritt auf dem Rasen verbal weiter. »Das ist schon sehr beklemmend. Das ist ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend«, sagte Goretzka, »das ist nicht das, wofür wir stehen wollen, was wir vorleben. Es ist absolut inakzeptabel, so eine Aussage zu treffen.«

Bemerkenswert war Goretzkas scharfe Kritik auch, weil der FC Bayern enge geschäftliche Bande zum WM-Gastgeberland pflegt. Das Sponsoring durch die staatliche Fluglinie Qatar Airways beklagen kritische Vereinsmitglieder schon lange. Vor einem Jahr war es auf der Jahreshauptversammlung zu Tumulten gekommen, weil die Klubspitze eine Debatte über das Thema verweigert hatte. Inzwischen gibt es zwar einen Dialog, doch viele Mitglieder fürchten, dass der FC Bayern den Sponsoringvertrag über das bisherige Ende 2023 hinaus ausweiten wird. Nach der WM soll darüber entschieden werden.

Während des Spiels gegen Bremen hielten die Fans in der Südkurve zwei Spruchbänder hoch, darauf stand: »Damaged mind? Fuck you Khalid & Co«. Auch Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidžić bezeichnete Salmans homophobe Aussagen als »einfach inakzeptabel«. Bei der Frage, ob diese die Entscheidung über die Zusammenarbeit mit dem Emirat beeinflussen könnten, wich Salihamidžić aus. »Darüber müssen wir reden, klar«, sagte er, aber das sei eine Aussage einer einzelnen Person. Im Januar haben die Münchner wieder ihr Trainingslager in Katar geplant. Erwartet wird, dass dann vor Ort Gespräche über die weitere Zusammenarbeit geführt werden.

Die sportlichen Botschaften, die die deutschen Nationalspieler des FC Bayern im vorletzten Bundesligaspiel vor der WM gesendet hatten, dürften Bundestrainer Hansi Flick erfreut haben. Serge Gnabry hatte sich mit seinen drei Toren besonders hervorgetan – und damit auch seine Ansprüche angemeldet, in der Offensive der DFB-Auswahl von Beginn an aufzulaufen. »Es tut immer wieder sehr gut als Stürmer oder Offensivspieler. Je mehr Tore, desto besser«, sagte Gnabry.

»Das freut mich auch für den DFB. Ich glaube, Serge ist auch ein wichtiger Spieler für Hansi«, sagte Trainer Julian Nagelsmann und äußerte die Hoffnung, dass der 27-Jährige »diesen Flow mitnehmen kann« zur WM. »Serge ist, egal wo er auf dem Platz steht, ein sehr torgefährlicher Spieler«, lobte Goretzka und verwies auf Gnabrys »brutale Qualität im Abschluss« wegen dessen Beidfüßigkeit. Diese mache ihn »unberechenbar« und »ganz besonders«. Auch Jamal Musiala und Goretzka selbst hatten gegen Bremen getroffen. Werders Anthony Jung hatte zwischenzeitlich das 1:1 erzielt. Dem eingewechselten Mathys Tel gelang der Treffer zum Endstand. Der 17-jährige Franzose war der einzige Münchner Torschütze, der nicht für die DFB-Auswahl aufläuft.

»Es ist wichtig, dass jeder Spieler den Rhythmus weiter mitnimmt und wir auch das Spiel am Samstag gewinnen«, sagte Musiala mit Blick auf die WM. Im letzten Ligaspiel sind die Münchner beim FC Schalke gefordert. An diesem Donnerstag nominiert Flick seinen Kader, am kommenden Montag bricht die DFB-Elf schon zum letzten Test im Oman auf. Deutschlands erstes WM-Spiel gegen Japan findet am 23. November statt. »Das war auch die klare Vorstellung und die klare Ansage von Hansi, dass wir uns gefälligst alle in eine gute Verfassung und in eine gute Form bringen«, berichtete Goretzka. »Diesmal hat der Bundestrainer nicht die Möglichkeit, noch mit uns in ein zweiwöchiges Trainingslager zu fahren. Er ist schon auf die Arbeit im Verein angewiesen.«

Leon Goretzka sandte auch noch ein klares Signal an die anderen Nationalteams. »Du brauchst nicht hinfahren, wenn du nicht dran glaubst, dass du Weltmeister werden kannst«, sagte er. Es sei jedem bewusst, »dass es extrem schwierig ist. Es ist wahrscheinlich das Schwierigste, was es in der Fußballwelt gibt, und trotzdem glauben wir dran.« Und dann war da noch eine Botschaft, die zeigte, dass sie beim FC Bayern den Titelkampf in der Bundesliga nur mit sich selbst austragen. Ob Dortmunds 0:2-Niederlage in Wolfsburg für zusätzliche Motivation gesorgt habe? Goretzkas Antwort: »Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das viele noch mal gebraucht und überhaupt so wirklich wahrgenommen haben.«

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