In der Sortieranlage ums Leben gekommen

Brandenburg verzeichnet einen sprunghaften Anstieg tödlicher Arbeitsunfälle

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Ministerin Nonnemacher spricht mit Havelbus-Azubi Tobias Hindemith.
Ministerin Nonnemacher spricht mit Havelbus-Azubi Tobias Hindemith.

»Die Busfahrer sind alle unterwegs«, sagt Mathias Schmidt von der Havelbus Verkehrsgesellschaft (HVG). Deshalb hat sich am Mittwochnachmittag zum Fototermin mit Brandenburgs Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) einer der 23 Auszubildenden des kommunalen Unternehmens hinters Steuer eines Gelenkbusses gesetzt.

Der junge Mann führt vor, wie sich ein Vorhang aus transparentem Kunststoff vor die Fahrerkabine ziehen lässt. Mit dieser Konstruktion behalf sich die HVG, um ihr Personal vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Andere Busunternehmen schlossen die Kabinen mit Plexiglaswänden, weiß Schmidt. Aber für die 46 Busse der eigenen Flotte hätte das 200 000 Euro gekostet – in einer Zeit, als pandemiebedingt viel weniger Menschen zur Arbeit pendelten, die Fahrgastzahlen einbrachen und die Einnahmen aus dem Ticketverkauf schmolzen. Die Vorhänge waren da die deutlich kostengünstigere Variante, die den Zweck genauso erfüllte.

Ministerin Nonnemacher bescheinigt der HVG am Mittwoch ein vorbildliches Hygienekonzept. Vom 1. März bis 30. Juni 2021 hatte das Landesamt für Arbeitsschutz 390 Betriebe auf die Einhaltung der Corona-Arbeitsschutzvorschriften hin überprüft. 273 Betriebe hatten sich gewissenhaft an alle Bestimmungen gehalten, bei den übrigen wurden Mängel festgestellt. Das findet sich im jüngsten Arbeitsschutzbericht 2021. Die Ministerin stellte ihn am Mittwoch vor und besuchte dazu den HVG-Standort in Falkensee.

Sorgen bereitet Nonnemacher die von 14 auf 29 hochgeschnellte Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Brandenburg. »Hier ist der Arbeitsschutz weiter besonders gefordert, denn jeder Fall ist ein Fall zu viel«, sagt sie.

29 tödliche Arbeitsunfälle in einem Jahr – mehr hatte es zuletzt 2006 gegeben. Damals waren es 30. Zwar gab es im vergangenen Jahr drei Coronatote im Gesundheitswesen, die den tödlichen Arbeitsunfällen zuzurechnen waren. Ansonsten aber ist der Ministerin der sprunghafte Anstieg »unerklärlich«. Auffällig sei die Zahl der tödlich Verunglückten, die an Maschinen oder im innerbetrieblichen Transport beschäftigt waren. Hierauf soll und will das Landesamt für Arbeitsschutz bei seinen Kontrollen im kommenden Jahr ein besonderes Augenmerk legen.

Zwölf Todesfälle hat das Landesamt näher untersucht, darunter ein tragisches Ereignis in einem Betrieb, der Schrott aufbereitet. Dort wurde ein 56-Jähriger vom Förderband in die Sortieranlage gezogen. Da es keine Zeugen des Vorfalls gibt, bleibt unklar, warum sich der Mann bei laufender Anlage in den Gefahrenbereich begeben hatte.

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