Größerer Riff-Ausgleich – ja oder nein?

Straßen- und Eisenbahntunnel zwischen Deutschland und Dänemark zerstört mehr Riffe, als in der Planung gedacht

  • Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Den juristischen Kampf gegen den Bau des Fehmarnbelttunnels haben die Gegner verloren, nun sollen die damit einhergehenden Umweltschäden zumindest so gering wie möglich gehalten werden. Die Zerstörung von Riffen wird am Mittwoch daher noch einmal das Bundesverwaltungsgericht beschäftigen.

Dort wollen Nabu und das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung mit ihren Klagen gegen einen Planänderungsbeschluss vom 1. September 2021 erreichen, dass für das Zerstören von in der Planung nicht berücksichtigten schützenswerten Riffen größere Ausgleichsmaßnahmen an anderer Stelle in der Ostsee vollzogen werden. Die Notwendigkeit einer Kompensation ist dabei unstrittig, doch bei der Größenordnung finden Umweltschützer und Tunnelbau-Verantwortliche überhaupt nicht zusammen. Um die genaue Schadensanalyse und den nötigen Ausgleich zu beziffern, wird es in Leipzig am Mittwoch mit Sicherheit meeresbiologisch spitzfindig zugehen.

So beruft sich das Verkehrsministerium in Schleswig-Holstein auf einen Genehmigungsbescheid, einen 17,5 Hektar großen neuen Riff-Teppich in einem südlich von Fehmarn gelegenen Naturschutzgebiet anzulegen, obwohl 36 Hektar Riff-Fläche durch den Tunnelbau in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei den massiven Aushubarbeiten organisierten Umweltschützer begleitende Tauchgänge, die eine Schädigung von vorher gar nicht kartierten Riffen feststellten. Nabu-Meeresschutzexperte Kim Detloff spricht daher von einer insgesamt 63 Hektar großen Riff-Fläche und will nun bei den Leipziger Verwaltungsrichtern eine entsprechend große Ausgleichsmaßnahme durchsetzen.

Die Planer aus dem Kieler Verkehrsministerium und der dänische Bauträger Femern A/S rechnen da vollkommen anders: Die neuen Riff-Flächen seien viel wertvoller als die alten und somit sei ein kleinerer Ausgleich sehr wohl gerechtfertigt. Ohnehin gehe es zum Teil um temporär beeinträchtigte, aber eben nicht um durchgehend zerstörte Riffe.

Die Umweltschützer hatten sich gewünscht, dass bis zur endgültigen Lösung der Riff-Frage keine Bautätigkeiten vorgenommen werden, um keine vollendeten Tatsachen zu schaffen, sie scheiterten aber auf dem Rechtsweg, denn ein entsprechender Vorstoß wurde vom Bundesverfassungsgericht gar nicht zur Entscheidung angenommen.

Das 18 Kilometer lange Großprojekt des kombinierten Bahn- und Straßen-Absenktunnels soll die Fahrtzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen deutlich verkürzen. Es zählt zu den größten europäischen Bauvorhaben. Während Dänemark für die Tunnelbaukosten aufkommt, finanziert Deutschland die sogenannte Hinterlandanbindung, wozu auch ein neuer Tunnel zur Fehmarnsundquerung zählt, der das in die Jahre gekommene Brückenbauwerk ablösen soll. Die Dänen wollen ihre Investitionen über Mautgebühren refinanzieren. Aktuelle Kalkulationen gehen von Belttunnel-Kosten in Höhe von sieben Milliarden Euro aus. Können die Bauarbeiten alle planmäßig erfolgen, rechnet man bei Femern A/S mit einer Fertigstellung des Tunnels im Jahr 2029.

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