Air Defender: Zeichen an Nato-Kampfjets

Die Linke organisiert eine Friedenswanderung in der Kyritz-Ruppiner Heide

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Mehr als 100 Friedenswanderungen und zahlreiche Ostermärsche mit bis zu 10 000 Teilnehmern haben dazu beigetragen. Die Luftwaffe der Bundeswehr wollte einst in der Kyritz-Ruppiner Heide trainieren und dabei 1700 Einsätze im Jahr fliegen. Doch nach jahrelangem Widerstand der Bürgerinitiativen »Freie Heide« und »Freier Himmel« sowie nach einer Serie von Niederlagen vor Verwaltungsgerichten verzichtete Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Juli 2009 auf das sogenannte Bombodrom. 1992 hatte sich die Gegenwehr der Bevölkerung formiert. Gegen den Übungsplatz geklagt hatten die mecklenburgische Gemeinde Lärz, das Seehotel Ischlim und eine Putenfarm im märkischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Nun gibt es nach langer Pause wieder eine Friedenswanderung in der Kyritz-Ruppiner Heide. Wiederbelebt wird die Tradition durch die Linkspartei. Am 11. Juni um 13 Uhr soll es am Wanderparkplatz Pfalzheim an der ehemaligen Hauptzufahrt des Bombodroms eine Auftaktkundgebung geben und dann um 14 Uhr die etwa einen Kilometer lange Wanderung zum Sielmann-Hügel. Dort sollen die Teilnehmer ein Friedenszeichen bilden, das aus der Luft zu sehen ist.

Anlass der Aktion ist das seit dem Jahr 2018 langfristig vorbereitete Nato-Manöver Air Defender 2023. Die englische Bezeichnung lautet übersetzt Luftverteidigung. Geübt wird allerdings nicht der Rückzug, sondern ein Vormarsch – die schnelle Verlegung von Kampfflugzeugen aus Deutschland, den Niederlanden und Tschechien bis nach Estland und Rumänien. Es ist das größte Luftmanöver in der Geschichte der Nato. Dazu wurde nach Angaben der Bundeswehr auch »das größte Feldtanklager aller Zeiten« aufgebaut. 10 000 Soldaten aus 25 Staaten beteiligen sich an dem Manöver. 250 Militärmaschinen werden abheben und vom 12. bis 23. Juni täglich 400 000 bis 500 000 Liter Kerosin verbrauchen.

Von Tag zu Tag werden bestimmte Luftkorridore für mehrere Stunden für zivile Passagiermaschinen gesperrt, was Auswirkungen beispielsweise auch auf den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld haben wird.

150 bis 250 Teilnehmer der Friedenswanderung sind vorsorglich bei der Polizei angemeldet. Linke-Landesgeschäftsführer Stefan Wollenberg wäre allerdings schon bei 100 bis 150 Teilnehmern sehr zufrieden, wie er dem »nd« am Dienstag sagte. Brandenburgs Linke veranstaltet die Friedenswanderung gemeinsam mit den Genossen im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern. Von Cottbus, Potsdam und Neuruppin aus werden Mitfahrgelegenheiten angeboten, für die sich Interessierte anmelden sollen.

»Wir fordern einen schnellstmöglichen Waffenstillstand und den vollständigen Abzug der russischen Truppen von ukrainischem Staatsgebiet«, heißt es im Aufruf. »Aber wir akzeptieren nicht, dass dieser Angriffskrieg von der Nato und ihren Verbündeten als Begründung für eine bisher beispiellose Militarisierung der Außenpolitik und eine neue Aufrüstungsspirale genutzt wird.« Deeskalation und Diplomatie seien das Gebot der Stunde, nicht militärische Machtdemonstrationen.

Am 17. Juni ist unabhängig davon eine weitere Protestkundgebung geplant. Sie soll um 13 Uhr an der Alten Feuerwache von Brandenburg/Havel in der Franz-Ziegler-Straße 28 stattfinden. Veranstaltet wird diese Kundgebung vom örtlichen Bündnis für Frieden. Als Redner angekündigt sind der aktuelle Bundestagsabgeordnete Christian Leye und der frühere Bundestagsabgeordnete Alexander Neu (beide Linke). Singen wird Tino Eisbrenner, der im Mai bei einem Musikwettbewerb in Moskau auftrat und mit seiner deutschen Version des russischen Liedes »Kraniche« den zweiten Platz belegte. Es ist ein berühmtes Lied aus dem Zweiten Weltkrieg.

»Wir brauchen eine Zeitenwende für Frieden und Abrüstung«, wird für die Kundgebung in Brandenburg/Havel geworben. Zu den Unterstützern gehören verschiedene Gliederungen der Linken, die kommunistische DKP, die Friedenskoordinationen von Berlin und Potsdam, das Bündnis »Heizung, Brot und Frieden«, die Sammlungsbewegung »Aufstehen«, der brandenburgische Freidenker-Verband und die Berliner Friedensglockengesellschaft.

Zwei Demonstrationen mit jeweils rund 1000 Teilnehmern hatte das Bündnis für Frieden im vergangenen Herbst organisiert. Das sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Leider jedoch vor allem deswegen, weil dort eine Reihe Neonazis, die ominösen Freien Brandenburger und der Landtagsabgeordnete Lars Hünich (AfD) mitgelaufen sind.

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