Werbung

Proud und politisch: Berlin braucht einen antiautoritären CSD

Der Kampf um queere Rechte und der Widerstand gegen Autorität gehören seit jeher zusammen

  • Nora Noll
  • Lesedauer: 2 Min.

»Der Stonewall Riot war ganz klar ein Kampf gegen die Polizei«, sagte Manuela Kay, Mitbegründerin des Berliner Dyke* March im Interview. Während sich kleinere Pride-Veranstaltungen in Berlin als dezidiert politisch positionieren, lässt sich auf der alljährlichen CSD-Massenveranstaltung jedoch der radikale Ursprung des Christopher Street Day kaum noch erahnen. Wer Selfies mit Polizist*innen schießt und hinter dem Jobcenter-Block tanzt, stellt nunmal keine Machtfragen.

Dabei gehören der Kampf um queere Rechte und der Widerstand gegen Autorität seit jeher zusammen. Wahre Selbstbestimmung steht konträr zu einem kontrollierenden Staat, der Menschen binär in Frauen und Männer einteilt. Und es braucht ein solidarisches Miteinander, fernab von neoliberaler Konkurrenz-Kultur, um gemeinsam mit Geschlechter- und Sexualitätsnormen zu brechen.

Ein Funken Widerstand entzündete sich trotzdem auf dem Berliner CSD: Als Kai Wegner antrat, um als Regierender Bürgermeister traditionsgemäß die Pride zu eröffnen, begrüßte das Publikum den CDU-Politiker mit Protest. »Wegner muss weg«, schallte es über die Straße, die Rufe übertönten seine Rede.

Muckefuck: morgens, ungefiltert, links

nd.Muckefuck ist unser Newsletter für Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik - aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeelänge Berlin - ungefiltert und links. Jetzt anmelden und immer wissen, worum gestritten werden muss.

Ein guter Anfang! Für den nächsten CSD habe ich ein paar weiterführende Vorschläge: Wie wär's mit einem schwarzen Block, der die Konzern-Wägen blockiert? Oder mit konfrontativen Spendenaufrufen, die von den Firmen nicht nur symbolische, sondern materielle Unterstützung einfordern? Parteien sollten außerdem nur noch mitlaufen dürfen, wenn sie sich nachweislich gegen Abschiebungen von trans Personen und für die Abschaffung des Transsexuellengesetzes einsetzen. Und anstatt das Image des Jobcenters zu polieren, sollten diejenigen reden, die mit dem Jobcenter zu kämpfen haben – das Risiko für Armut und Wohnungslosigkeit ist innerhalb der queeren Community besonders hoch.

Und dann darf bitte ordenlich gefeiert werden, kinky, horny und so pervers wie möglich. Das läuft ja bereits ganz gut, auf dem CSD.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal