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Windräder versus Kleinwale

Bau und Betrieb der Windparks auf See produzieren Lärm, der die Tümmler bedroht

Offshore-Windenergieanlagen leisten einen zunehmenden Beitrag zur Energieerzeugung in Deutschland. Doch für die deutschen Schweinswale könnten sie das Ende bedeuten.

Der Kleine Tümmler, wie der etwa 1,60 Meter lange schwarz-weiße »Flipper« mit der stumpfen Schnauze auch heißt, hat insbesondere in der Ostsee durch Verschmutzung und Fischernetze ohnehin schon größte Schwierigkeiten zu überleben. Große Windparks weit draußen vor der Küste könnten sein Aussterben besiegeln. Fast 50 solcher Offshore-Windparks (Foto: dpa) in Nord- und Ostsee mit jeweils etwa 100 Windrädern sind derzeit in Planung oder im Genehmigungsverfahren. Sie zu bauen, macht Lärm, der die geräuschempfindlichen Tiere beeinträchtigen könnte. Eine Forschergruppe unter Federführung der Universität Hannover will jetzt dafür sorgen, dass der Baulärm gedämpft wird. 1,5 Millionen Euro wurden für die Forschungsprojekte vom Bundesumweltministerium bewilligt.

30 Meter tief werden die Fundamente von Offshore-Windanlagen in den Boden der Meere gerammt. Das ist nötig, damit sie auch schwersten Stürmen und hohem Wellengang über die Jahre widerstehen können. Um eine einzige Windmühle sturmfest zu verankern sind rund tausend Rammstöße notwendig. Jeder einzelne mit einer durchschnittlichen Lautstärke von rund 240 Dezibel. Bei spätestens 200 Dezibel werden die Gehöre der Schweinswale verletzt. Anders als Menschen orientieren sich die Kleinwale in erster Linie mittels Echolot. Wale mit gestörtem Gehör sind also nicht mehr lebensfähig. Zur Orientierung über Kilometer Entfernung machen sich die Tiere ein physikalisches Phänomen zunutze: Wasser leitet Schallwellen deutlich besser als Luft. Das aber wird den Tümmlern beim Bau der Windparks nun zum Verhängnis. Noch in 70 Kilometer Entfernung, so meint Klaus Lucke vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel (FTZ), würden die Schallimmisionen die Tiere in ihrem Verhalten beeinträchtigen. Zum Vergleich: Die Nordsee misst in Gänze gerade einmal 200 mal 300 Kilometer. Vor allem für die Ostsee könnten die Folgen dramatisch sein. Leben in der Nordsee noch rund 50 000 Schweinswale, wird die Ostseepopulation auf höchstens 3000 Tiere geschätzt.

Bei den Projekten »FINO 3« (»Forschungsplattformen in Nord- und Ostsee«) und »Schall 3« untersuchen Wissenschaftler aus Hannover, Oldenburg und Wilhelmshaven beim Bau einer Forschungsplattform in der Nordsee westlich von Sylt sowie an einem Testpfahl in der Lübecker Bucht in der Ostsee die Schallausbreitung sowie Möglichkeiten der Schallreduzierung und die Auswirkungen auf die Meeressäuger. »Wir wollen den Schall schon bei der Entstehung reduzieren«, sagt Jörg Rustemeier vom Institut für Statik und Dynamik in Hannover. Eine neuartige Technik der Vibrationsrammung soll das möglich machen. Außerdem wollen Rustemeier und seine Kollegen, den Schall abschirmen. So untersuchen sie, ob eine Schalldämmwand um den Pfahl herum effektiv ist oder ob ein Blasenschleier den Schall dämpfen kann. Dabei sollen am Boden künstlich erzeugte Bläschen um den Pfahl herum aufsteigen.

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