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Fragen an Willi van Ooyen

Der 61-jährige Spitzenkandidat der hessischen LINKEN ist Aktivist der Friedens- und Sozialforumbewegung.
Der 61-jährige Spitzenkandidat der hessischen LINKEN ist Aktivist der Friedens- und Sozialforumbewegung.

ND: Drin ist drin – wenn auch nach gehöriger Zitterpartie für die LINKE. Haben Sie mit einem derart knappen Einzug in den hessischen Landtag gerechnet?
van Ooyen: In den letzten Tagen schon. Nachdem die Zuspitzung und mediale Polarisierung des Wahlkampfes auf Koch kontra Ypsilanti stattfand, reduzierte sich unser Anteil in der Öffentlichkeit.

Haben womöglich manche potenzielle Links-Wähler doch lieber ihr Kreuzchen bei der SPD gemacht, um CDU-Ministerpräsident Koch loszuwerden?
Bei Linkswählern trifft das eher nicht zu. Aber bei manchen, die wir mobilisieren wollten – insbesondere in Südhessen –, hat diese Erwägung wohl eine Rolle gespielt, so dass sich unsere Wahlhoffnungen dort nicht realisieren ließen.

Spekuliert wird über eine Große Koalition, Rot-Rot-Grün, die sogenannte Jamaika-Konstellation, eine Ampel oder eine Minderheitsregierung mit Tolerierung. Was, glauben Sie, wird am Ende die hessische Lösung werden?
Das weiß ich nicht, das ist wohl mehr eine Frage an die SPD. Zunächst geht es um die Konstellation zur Wahl des Ministerpräsidenten oder der Ministerpräsidentin. Wenn Frau Ypsilanti sich der Wahl stellt, werden wir sie unterstützen – ob sie das will oder nicht.

Gegenwärtig wird in alle Richtungen ausgelotet. Haben Sie schon einen Anruf von Frau Ypsilanti bekommen?
Nein. Wir werden sehen, ob die SPD sich inhaltlich bewegt. Ich weiß nur: Soziale Initiativen und Gewerkschaften haben großes Interesse, die vorhandene linke Mehrheit in Hessen zu nutzen, um politische Interessen hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit umzusetzen. Die werden, da bin ich sicher, den Druck auf die SPD noch erhöhen.

Fürchten Sie sich vor einem solchen Anruf – oder sehnen Sie ihn herbei?
Ganz klar: Ich rechne damit. Ja, wir rechnen damit, dass alle mit allen reden werden.

Wäre eine Große Koalition nicht die optimale Variante für eine linke Opposition?
Was heißt optimale Variante? Wir sind nicht Opposition um unserer selbst willen. Der Punkt ist doch, dass wir unsere politischen Ziele umgesetzt sehen wollen. Große Koalition heißt Stillstand – und das heißt: keine Veränderungen an Hartz IV und der Agenda 2010, das heißt: kein Mindestlohn, das heißt: Festhalten an den Kochschen Plänen für ein US-Hauptquartier in Wiesbaden.

Was sind die ersten politischen Amtshandlungen der Newcomer im künftigen hessischen Landtag?
Unsere erste Zusammenkunft als Fraktion heute.

Und was die ersten Schritte des Spitzenkandidaten der LINKEN, um Fehler, die beispielsweise von den Bremer Genossen gemacht wurden, zu vermeiden?
Da bin ich gelassen. Wir müssen uns nicht erst finden. Wir haben gemeinsam Wahlkampf gemacht und uns dabei kennengelernt.

Fragen: Gabriele Oertel

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