Reykjavik ruft Moskau

  • Von Jürgen Elsässer
  • Lesedauer: 1 Min.

Wenn die Osseten oder die Serben die Russen zu Hilfe rufen, um sich westlicher Unverschämtheiten zu wehren, würde sich vermutlich niemand wundern. Nun aber aber bittet Island die Moskowiter um Unterstützung, ein NATO-Staat. Als sich die Insel vor einigen Wochen dem Staatsbankrott gegenübersah, fragte zunächst Premier Geir Haarde beim Kreml um Kredite nach. Präsident Olafur Grimsson hat jetzt noch einen Zacken zugelegt: Bei einem Bankett mit ausländischen Diplomaten drohte er, sein Land könne sich »neue Freunde suchen« und den einstigen NATO-Stützpunkt Keflavik der früheren Führungsmacht des Warschauer Paktes überlassen. Vielleicht für Anti-Antiraketen-Raketen?

In der Eismeerrepublik wächst die Verärgerung, weil vor allem Großbritannien jede Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds blockiert. Londons Erpressung wird durch Berlin gedeckt. Dabei geht es nicht, wie scheinheilig vorgeschoben wird, um die Entschädigung deutscher Sparer, die um ihre Guthaben auf der Insel bangen. Hauptsorge von Finanzminister Steinbrück ist, dass deutsche Banken insgesamt 21 Milliarden Euro in isländischen Geysir-Instituten versenkt haben. Die EU-Finanzoligarchen verlangen, dass Reykjavik sie mit IWF-Geldern schadlos hält – und die eigenen Landsleute ohne Job und Heizung lässt.

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