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Abgesang einer Konferenz

Die Genfer Antirassismustagung wurde gestern beendet, aber kaum einer hat noch davon Kenntnis genommen. Die Kraftproben hatten schon vorher und außerhalb des Saales stattgefunden – mit dem offenbar gewünschten Ergebnis, dass sich schon zu Konferenzbeginn alles auf den Auftritt von Ahmadinedschad fokussierte. Und der iranische Präsident, ein Freund und Meister der Provokation, tat den USA, Deutschland und anderen westlichen Staaten den Gefallen. Danach kein Streit mehr, nicht mal eine nennenswerte Debatte. Schon am Dienstag war Genf politisch Geschichte.

Dass Ahmadinedschad seinen Auftritts als Erfolg einschätzt, ist nicht sonderlich wichtig, was immer sein Ziel gewesen sein mag. Die UN-Hochkommissarin Pillay wird seine Bewertung gewiss nicht teilen. Denn dank des von dem Iraner angezettelten Klamauks wurden einigen Ländern sehr unangenehme Themen in Sachen Diskriminierung und Rassismus von der Agenda verdrängt – zum Nachteil der betroffenen Gemeinschaften, zum Beispiele der Kastenlosen in Indien.

Aber auch die stolze abendländische Wertegemeinschaft konnte sich so bequem um ihr gestellte Fragen drücken. Nicht nur »Wiedergutmachung für die Sklaverei und Kolonialisierung«, auch alltägliche Probleme der Behandlung von Zuwanderern konnten als Thema verhindert werden. Vielleicht rührt daher auch die Freude des deutschen Menschenrechtsbeauftragten Nooke über das Abschlussdokument. »Wir haben kein Problem damit«, erklärte er für die Bundesregierung. Und so bleibt es dabei: Die Probleme haben die anderen.

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