Spezieller Blick auf eine Stadt

TV-Tipp: Doku »24 h Berlin«

  • Lesedauer: 2 Min.
Von Samstag, 6 Uhr, bis Sonntag, 6 Uhr, präsentieren mehrere TV-Sender weltweit »24 h Berlin – Ein Tag im Leben«. 70 namhafte Dokumentarfilmer drehten am 5. September 2008 ein pulsierendes Porträt der deutschen Hauptstadt. Volker Heise war Leiter des einzigartigen Experiments. Mit ihm sprach Katharina Dockhorn.

ND: Erwartet die Zuschauer eine lange Version von »Berlin – Sinfonie einer Großstadt«?
Heise: Nein, wir haben nicht wie Walter Ruttmann oder Thomas Schadt geplant, was gedreht werden soll, sondern lassen uns von den Ereignissen leiten. Menschen wurden ohne Vorgaben durch den Tag begleitet, um Berlin als eine Stadt voller Widersprüche zu zeigen.

Nach welchen Kriterien wurden die Protagonisten für die Doku ausgesucht?
Nach dem Statistischen Jahrbuch Berlins haben wir die Milieus und Gruppen festgelegt und danach die Leute gesucht, die klischeehaft für sie stehen oder diesen nicht entsprechen. Ein Rentner ebenso wie einen Unternehmer oder Immobilieninvestor, die mit speziellem Blick auf die Stadt schauen. Oder eine türkischstämmige Schneiderin aus Kreuzberg, die mit ihrem Kopftuch dem Klischee entspricht. Ihre Töchter sind emanzipiert, studieren und auf dem Weg auf diese Gesellschaft.

Wir groß war Bereitschaft mitzumachen?
Wir sind nur auf wenige Ablehnungen gestoßen. Bei Kai Diekmann musste ich allerdings länger werben, auch Klaus Wowereit oder Daniel Barenboim mussten sich erst mit dem Gedanken anfreunden, einen Tag begleitet zu werden. In der Junkie-Szene war es schwierig, Kontakt zu finden. Und die Familie, die mit ihren fünf Kindern von Hartz IV lebt, hat auch gezögert, weil sie Angst hatte, als Schnorrer dazustehen.

Sieht der Zuschauer zwischen 5 und 6 Uhr, was im Vorjahr zwischen 5 und 6 Uhr passiert ist?
Wir haben vielleicht eine halbe Stunde schieben müssen. Ich habe schon bei der Recherche versucht, Spannungsbögen zwischen einer halben und drei Stunden aufzubauen – sei es durch eine Herz-OP oder eine Hochzeit. Die waren ein Gerüst für den Schnitt. Wichtiger war jedoch, sich überraschen zu lassen und an den Protagonisten dran zu bleiben.

Brauchen Sie einen Kommentar?
Schauspieler wie Axel Milberg oder Boris Aljinovic halten die Zuschauer auf der Höhe der Ereignisse. Wenn ich Klaus Wowereit um 9 Uhr einführe und ihn um 14 Uhr wieder zeige, muss ich ihn wieder einführen. Wir können ja nicht davon ausgehen, dass Zuschauer durch gucken und Wowereit weltweit bekannt ist. »24 h Berlin« war auch nie als reine Dokumentation konzipiert. Die Sendung funktioniert wie ein Fernsehprogramm. Alle halbe Stunde gibt es eine Art Nachrichten mit Uhrzeit, Temperatur und was mit unseren Protagonisten los ist.

Zu sehen ist die Doku u.a. auf Arte und im RBB sowie im Internet.

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