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Tigermücke im Anflug

Gesundheitliche Folgen des Klimawandels treffen vor allem die Ärmsten

Die Klimaerwärmung hat schon heute Auswirkungen – negative wie auch positive. Eine ist, dass manche Krankheiten dank wandernder Insekten ihr Verbreitungsgebiet nach Norden erweitern.

Die Tigermücke aus den Randgebieten des Indischen Ozeans ist in Europa angekommen. Das von ihr übertragene Chikungunya-Virus verursacht eine grippeähnliche Infektion. Dieses Fieber brach 2007 in Oberitalien aus. In Ungarn und Österreich tauchte das von Mücken übertragene Westnil-Virus auf. Der Erreger kann sowohl eine Gehirnhaut- als auch eine Gehirnentzündung bewirken. Mit solchen Krankheitserregern ist auch in Deutschland zu rechnen. Ihre Überträger, sogenannte Vektoren, darunter Nagetiere und Insekten, dringen in neue Lebensräume ein, wenn sich die klimatischen Bedingungen ändern. Insofern zeigen die Vektoren Ausmaß und Geschwindigkeit des Klimawandels an. Einerseits treten in manchen Regionen Infektionskrankheiten neu auf, andererseits werden bestimmte Krankheiten anderswo aufgrund von Wassermangel regelrecht ausgetrocknet.

Neben neuen Infektionskrankheiten bringt der Klimawandel mehr Extremwettersituationen mit sich. Bereits 2007 rechnete der UNO-Klimarat IPCC damit, dass die Zahl der Hitzetoten vor allem in Europa und Asien deutlich steigen wird. Im Jahrhundertsommer 2003 sollen in Frankreich allein im Monat August 15 000 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen verstorben sein.

Auch Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und Dürren haben Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in den betroffenen Regionen, wenn sie nicht sogar ihr Leben direkt bedrohen.

So beängstigend diese Ereignisse den Europäern erscheinen, so sicher ist doch, dass vor allem die Armen der Welt am stärksten betroffen sind. Das am University College in London angesiedelte Institut für globale Gesundheit erstellte im Jahr 2008 einen interdisziplinären Bericht, in dem der Klimawandel an die Spitze der internationalen Tagesordnung zu Gesundheitsfragen gestellt wurde. Wenige Monate nach Veröffentlichung, im August dieses Jahres, merkten Wissenschaftler in der britischen Fachzeitschrift »The Lancet« an, dass die Forschung in diesem Bereich vergleichsweise unterentwickelt sei. Sofortmaßnahmen zur Reduzierung klimabedingter Gesundheitsfolgen müssten besser verbunden werden mit einer langfristigen Anpassung an den Klimawandel. Forschungsschwerpunkte seien Infektionskrankheiten und die Folgen der Luftverschmutzung. Zu untersuchen seien die Auswirkungen von Bevölkerungswanderungen und rückläufiger Trinkwasserressourcen.

Dabei sind die Gesundheitsfolgen des Klimawandels auch nach verschiedenen Szenarien noch umstritten. Der IPCC vermutet bei einem durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg von 1990 bis 2085 um 4 °C, dass dann hunderte Millionen Menschen unter wachsender Wasserknappheit leiden werden. Noch mehr Menschen aber würden besseren Wasserzugang bekommen. Eine Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen auf das Niveau von 1990 könnte jedoch die Sterblichkeit durch Hunger, Malaria und die Folgen von Überschwemmungen bis 2085 um 10 Prozent senken. Andere Wissenschaftler erwarten bei einer globalen Erwärmung von 4 bis 5 °C bis zum Jahr 2100, dass 3,2 Milliarden Menschen unter Wasserknappheit leiden werden. Mehr als 40 Prozent der Ökosysteme der Erde wären davon betroffen. Die Produktion von Nahrungsmitteln würde zurückgehen, wachsende Unterernährung und ein zunehmendes Auftreten von Herzkreislauf- und Infektionskrankheiten seien zu bewältigen.

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