Zossener Straße nach Rosa Luxemburg benannt

Beschluss auf Vorschlag der LINKEN / In Wünsdorfer Lazarett war 1919 die Leiche obduziert worden

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Nach 1989 sind in Ostdeutschland einige Rosa-Luxemburg-Straßen umbenannt worden. Im brandenburgischen Wünsdorf lief es jetzt – womöglich erstmals wieder – anders herum: Der Winkelweg und die Fichtestraße erhielten den Namen der Kommunistin.
Das alte Lazarett verbirgt sich hinter diesen Gehölzen.
Das alte Lazarett verbirgt sich hinter diesen Gehölzen.

Wie er das geschafft hat, kann Linksfraktionschef Carsten Preuß nicht so genau erklären. Er ist selbst »baff«, dass es geklappt hat. Die Stadtverordnetenversammlung von Zossen nahm bereits im Juni den Vorschlag der LINKEN an, im Ortsteil Wünsdorf-Waldstadt eine Straße nach der KPD-Gründerin Rosa Luxemburg zu benennen. Die Schilder sind nun zum Jahreswechsel angebracht worden, und damit pünktlich vor der traditionellen Ehrung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am Sonntag auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde.

Geschlossen votierten die SPD und die LINKE für die Umbenennung, erinnert sich Preuß. Aber selbst aus den Reihen der CDU kamen Ja-Stimmen. Es habe eine große Mehrheit für das Vorhaben gegeben, eine Person der Zeitgeschichte zu würdigen – unabhängig von der politischen Meinung zu Rosa Luxemburg.

Die Leiche der Ermordeten war 1919 im Standortlazarett am Wünsdorfer Parkring obduziert worden. Den Anwohnern wollte man jetzt nicht zumuten, wegen der Ummeldung zur Behörde zu laufen. Deshalb wählte man den Winkelweg und fügte die Fichtestraße hinzu, damit die neue Luxemburg-Straße etwa 700 Meter lang ist. Menschen leben an dieser Adresse nicht, und geeignet ist sie, weil sich die Zufahrt zum alten Lazarett am bisherigen Winkelweg befindet. Die LINKE möchte auch noch eine Stele und sammelt dafür Geld. In der DDR nutzten die sowjetischen Truppen das Lazarett. Sie sorgten für die Anbringung einer Gedenktafel für Luxemburg. Seit 1994 steht das Gebäude leer und verfällt. Die Gedenktafel ist verschwunden.

»Der in Wünsdorf gefertigte Obduktionsbericht geriet jüngst in die Kritik«, weiß Preuß. Michael Tsokos vom Rechtsmedizinischen Institut der Berliner Charité sei bei der Analyse auf Widersprüche gestoßen. Er vermutete, die Wasserleiche sei die falsche gewesen und die richtige liege im Keller des Berliner Medizinhistorischen Museums. An dieser Version zweifelt Klaus Gietinger, der Bücher über Luxemburg veröffentlicht. Eine Veranstaltung mit Gietinger am 13. Juni 2009 in Wünsdorf gab den Anstoß für die Straßenumbenennung, erzählt Preuß. Der Fraktionschef ist kein Historiker und möchte sich kein Urteil erlauben. »Ich bin auch nicht objektiv«, sagt er. Denn er hätte es schon gern, wenn die im Lazarett obduzierte Leiche die richtige war und es so eine Verbindung zu Wünsdorf gibt.

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