Schneise der Verwüstung

Chinesischer Frachter macht aus Riff eine tote Wüste

  • Von Christiane Oelrich, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Zerschmettert, zerbrochen und zu Staub zermalmt: die filigranen Korallen am Great Barrier Reef vor Australien hatten keine Chance, als der chinesische Kohlefrachter zu Ostern mit voller Wucht auflief. Unter Zehntausenden Tonnen Gewicht entstand am Weltkulturerbe, dem größten Korallenriff der Welt, auf einer Fläche von zwei Fußballfeldern eine tote Wüste. Stein- und Weichkorallen wuchsen hier, Gorgonien, Seefächer, die Kolonien von Riffbewohnern als Wirt dienten: Muscheln, Krustentieren, Schnecken und Seetang. Alles ist weg. »Das Areal ist mindestens 250 mal 100 Meter groß und alles dort ist pulverisiert – sämtliches Leben ist ausgelöscht«, sagte der Sprecher der Great Barrier Reef-Naturschutzparkbehörde, David Wachenfeld. »Eine so große Narbe durch Auflaufen eines Schiffes haben wir am Barrier Reef noch nie gesehen.«

Die Shen Neng 1, die vor der Keppel-Insel auf das Riff lief, ist 230 Meter lang und mit 65 000 Tonnen Kohle beladen. Durch den Wellengang schrammte das lenkungsunfähige Schiff neun lange Tage immer wieder über das Riff. Als fatal erwies sich auch die Farbe am Rumpf, die mit Chemikalien versetzt ist, um Algenbildung zu verhindern. »Die Farbe, die auf der Oberfläche hängen blieb, tötet die Korallen«, sagte Wachenfeld. 20 Jahre, schätzen Experten, dauert es, bis sich das Riff an der Stelle vom Schock erholt haben wird.

Im Gesamtbild des Barrier Reefs, das sich über 2600 Kilometer entlang der australischen Ostküste erstreckt, ist die betroffene Stelle ein winziger Bereich. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Korallen robuster sind als lange angenommen. »Es ist absolut ermutigend zu sehen, wie schnell sich ein gesundes Korallenriff erholen kann«, sagt er – vorausgesetzt, die Umweltbedingungen stimmen. Da liegt für das Barrier Reef aber die größte Gefahr.

»Der Klimawandel ist zweifellos langfristig die größte Gefahr für das Riff«, so Wachenfeld. »Anders als ein Schiffsunfall oder ein Ölunglück ist das kein lokales Ereignis, sondern überall gleichzeitig zu spüren.« Das australische Institut für Meeresbiologie stellt seit einigen Jahren die Erwärmung der Gewässer fest. Das führt zur Korallenbleiche.

Ironischerweise trägt Australien als weltgrößter Kohleexporteur erheblich zum Klimawandel bei. Das Land ist einer der größten Klimasünder. Mit dem Kohleexport heizt das Land die Wirtschaftsentwicklung in China an. Genau dorthin war die Shen Neng 1 unterwegs.

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