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Mit Trommeln und Tröten

Proteste gegen Laufzeitverlängerung vor Büros von Union und FDP

 Von Reimar Paul

Der »heiße Sommer« der Atomkraftgegner geht weiter: Gestern demonstrierten sie in ganz Deutschland vor den Büros der Regierungsparteien gegen längere Laufzeiten für AKW.

Sie sind nicht allzu viele, aber sehr laut. Mit Trommeln, Tröten und Transparenten haben rund 70 Umweltschützer gestern Mittag vor dem Göttinger FDP-Büro gegen längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke protestiert. Mehrere Demonstranten schlagen mit dicken Stöcken auf ein großes gelbes Fass ein, andere blasen in Vuvuzelas. Nach Angaben des Netzwerks »Campact« gab es vor etwa 60 Geschäftsstellen und Abgeordnetenbüros der Union und der FDP in ganz Deutschland ähnliche Kundgebungen.

In Göttingen überreichen die Demonstranten den Liberalen eine Erklärung gegen die weitere Nutzung der Atomenergie. Diese hätten in den vergangenen Wochen mehr als 150 000 Bürger unterschrieben, sagt Tobias Darge vom dortigen Anti-Atom-Plenum. Für den im Urlaub weilenden Bundestagsabgeordneten Lutz Knopek nimmt die FDP-Kreisvorsitzende Christiane Brunk das Manifest entgegen. »Langfristig haben wir ja dasselbe Ziel«, erklärt sie unter dem Gelächter der Umstehenden, »nämlich den Ausstieg aus der Atomwirtschaft.« Vier junge Männer, Mitarbeiter der FDP, haben blaue T-Shirts mit der Aufschrift »Kernkraft? Ja, sicher« übergestreift.

Die gestrigen Proteste sind Teil des von der Anti-Atomkraft-Bewegung ausgerufenen »heißen Sommers«. Die Bundesregierung will bekanntlich die Laufzeiten der 17 deutschen Atomkraftwerke verlängern und bis Ende September ein »nationales Energiekonzept« vorlegen. Der Bevölkerung wird die Atomenergie als »Brückentechnologie« ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien verkauft. »Die Energiewende braucht aber keine atomare Brücke«, hieß es gestern bei den Kundgebungen. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromproduktion in Deutschland betrage schon 16 Prozent und wachse rasant weiter. Bis zum Jahr 2050 seien 100 Prozent möglich. Dies mache längere Laufzeiten für AKW wie auch neue Kohlekraftwerke überflüssig. »Atomkraft ist eine Blockade- und keine Brückentechnologie«, sagt »Campact«-Sprecherin Susanne Jacoby. »Sie verstopft zunehmend die Stromnetze und blockiert den Ausbau der Erneuerbaren.«

Am 18. September wollen zehntausende Atomkraftgegner in Berlin demonstrieren und dabei das Regierungsviertel umzingeln. Am 29. September gibt es in Salzgitter eine große Demonstration gegen das dort geplante Atommüllendlager Schacht Konrad, zu der auch die IG Metall und Betriebsräte vieler Firmen mobil machen. Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hat für November die bislang »größte Anti-Atom-Manifestation« in der Region um Gorleben angekündigt. Zu den Protesten gegen den nächsten Castortransport erwarte die BI mehr als 20 000 Teilnehmer, sagt ihr Sprecher Wolfgang Ehmke.

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