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Kampf gegen Keime

Zahl der Klinikinfektionen ist zu hoch

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) hat erneut zur Aktion »Saubere Hände!« aufgerufen. Der Grund: Jährlich sterben bis zu 50 000 Patienten an Infektionen, die sie sich in einer Klinik zuzogen.

Brigitte N.* steht eine Blinddarmoperation bevor. Weil sie davon gehört hat, dass es multiresistente Krankenhauskeime gibt, die zu lebensgefährlichen Infektionen führen können, ruft sie vorher in der Berliner Schlossparkklinik an, dem Krankenhaus ihrer Wahl, und fragt nach der Infektionsgefahr in diesem Hause. Sie wird mit einer Hygieneschwester verbunden. Die informiert sie darüber, dass die Hygieneordnung des Hauses das Verhalten des medizinischen Personals regelt. Es würden immer wieder Hygienekontrollen durchgeführt. Vergleichszahlen aus dem Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Infektionen belegen, dass diese Klinik ein geringes Infektionsrisiko aufweist. Das sind für Brigitte N. wichtige Informationen für die Wahl ihres Krankenhauses, denn nicht alle haben beispielsweise eine solche Hygieneverantwortliche.

Probleme mit Krankenhauskeimen gibt es seit Bestehen dieser Einrichtungen. Mit neuen invasiven diagnostischen und therapeutischen Verfahren können neue Infektionen auftreten. Rationalisierung und Personalabbau können die Hygienesituation verschlechtern. »Vor jedem Betreten eines Krankenzimmers müssen die Hände desinfiziert werden«, fordert BDI-Vorstandsmitglied Prof. Jürgen Riemann. Es sei notwendig, »dass an jedem Krankenhaus qualifizierte Hygiene-Fachkräfte vorhanden sein müssen«.

Das Risiko einer nosokomialen Infektion ist insbesondere auf den Intensivstationen hoch. Hier treten Lungenentzündungen, bakterielle Blutvergiftungen oder Harnwegsinfektionen gehäuft auf. Die Übertragung kann durch medizinische Geräte wie Katheter und Schläuche erfolgen. Legt ein Arzt beispielsweise einem Patienten einen Blasenkatheter, können auf diesem Weg Keime aus der Umwelt in die Harnröhre des Kranken gelangen. Ähnliches gilt für Beatmungsgeräte. Hier ist auf eine strenge Mundhygiene mit desinfizierenden Spüllösungen sowie die Anwendung spezieller Beatmungsschläuche zu achten, »die verhindern, dass mit Bakterien kontaminierte Flüssigkeiten aus der Mundhöhle und dem Rachenraum in die Luftröhre und damit in die Lunge gelangen und eine Pneumonie auslösen«, so Oberärztin Dr. med. Maria Deja von der Charité. Bis zu 90 Prozent der Pneumonien treten bei Patienten auf, die mit einer Maschine beatmet werden. Das sind ca. 15 000 Patienten pro Jahr.

Nur hohes Wissen und regelmäßige Schulungen des medizinischen Personals werden dazu führen, die geforderten Regelungen im Klinikalltag rund um die Uhr einzuhalten, sind sich die Experten einig, die Mitte September auf einem Kongress in Berlin über unzureichende Hygienemaßnahmen diskutierten. Sie fordern regelmäßiger Überprüfungen von Hygienemaßnahmen wie die Kontrolle des Verbrauchs von Händedesinfektionsmitteln. Unnötige Beatmungstage sollten vermieden werden, aber auch die Gabe von Schmerz- und Schlafmitteln. Je länger ein Patient diese Medikamente bekommt, desto größer ist die Gefahr einer Infektion, die ihn nicht nur erheblich belastet, seine Verweildauer im Krankenhaus verlängert, sondern im schlimmsten Fall zum Tode führt.

*Name ist der Redaktion bekannt

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