Lehrer am falschen Platz

Abordnung an Grundschulen kritisiert

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Dresden (dpa/ND). Die sächsische LINKE hält die in Sachsen praktizierte Abordnung von Gymnasiallehrern an Grundschulen für fatal. Nach Angaben von Bildungsexpertin Cornelia Falken ist diese Praxis inzwischen kein Einzelfall mehr. Allein im Bereich des Regionalschulamtes Leipzig seien 69 Kolleginnen und Kollegen mit einer Ausbildung als Mittelschul- oder Gymnasiallehrer zum Einsatz in Grundschulen vorgesehen.

»Jetzt wird völlig klar, dass Sachsen in den vergangenen Jahren viel zu wenig Grundschullehrer ausgebildet hat«, sagte Falken am Dienstag der dpa. Zu der Misere habe auch das Außenbild der Bildungslandschaft in Sachsen beigetragen: »Seit 1997 waren Grundschullehrer zur Teilzeitarbeit gezwungen. Dies hat das Interesse an einer solchen Ausbildung genauso sinken lassen wie die schlechtere Bezahlung für betreffende Lehrer im Freistaat«, betonte Falken. Mit ihrer niedrigeren Eingruppierung würden Grundschullehrer 300 bis 600 Euro pro Monat weniger verdienen als ihre Kollegen in anderen Bundesländern.

Den Lehrermangel an Grundschulen – nach Einschätzung von Falken fehlen mindestens 150 Pädagogen – nun aber mit Kollegen aus anderen Schulformen aufzufüllen, sei der falsche Weg. »Ein Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie verfügt gar nicht über die Methodik, Schülern der Klasse 1 und 2 Mathematik beizubringen«, brachte Falken ein Beispiel. »Das Kultusministerium hätte viel früher gegensteuern müssen.«

Das Kultusministerium bezeichnete die Abordnungen von Lehrkräften auch an andere Schularten als »flexibles Instrument zur Unterrichtsabsicherung«.

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