Sprachenmix auf dem Spielfeld

Aktionsbündnis gegen Fremdenfeindlichkeit präsentierte Kalender zur Frauenfußball-WM

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Meine Familie musste wegen des Krieges aus Kosovo fliehen, als ich noch ein Kind war«, berichtet Fußballerin Fatmire Bajramaj von Turbine Potsdam. »Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, als Ausländerin beschimpft zu werden.« Deshalb freue sie sich über diesen Kalender zur Frauenfußball-WM. Die WM wird 2011 in Deutschland ausgetragen.

Die Rede ist von einem Kalender, den das brandenburgische Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit herausbrachte. Am Freitag wurde er vorgestellt. Hingewiesen wird in dem Kalender auf bedeutsame Ereignisse: 6. Dezember 1990 – der Angolaner Amadeu Antonio stirbt in Eberswalde als Opfer rechter Gewalt. 27. Januar 1945 – sowjetische Truppen befreien das KZ Auschwitz. 10. November 1982 – eine westdeutsche Frauenauswahl bestreitet das erste Länderspiel und besiegt die Schweiz 5:1. Es war damals gerade erst zwölf Jahre her, dass der Deutsche Fußballbund den Damenfußball endlich akzeptierte. 1955 hatte er ihn ausdrücklich untersagt. Das diskriminierende Verbot galt bis 1970.

Der Kalender erzählt auch Schicksale wie das der Brasilianerin Marta Vieira da Silva. Ihre Eltern wollten nicht, dass die Tochter Fußball spielt. Doch als 14-Jährige setzte sie sich in einen Bus und reiste nach Rio de Janeiro zum Klub Vasco da Gama. Sie wurde die erste Fußballmillionärin. Eudy Simelane war Spielführerin des südafrikanischen Nationalteams und Aktivistin der Lesbenbewegung in ihrer Heimat. Wegen ihrer sexuellen Orientierung wurde Simelane am 28. April 2008 auf offener Straße vergewaltigt und mit 25 Messerstichen ermordet.

»Dieser Kalender ist etwas Besonderes«, lobt Andreas Gerlach, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes. Gerlach engagiert sich im Vorstand des Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus. Es gebe viele Bücher, die sich aber an Menschen richten, die für dieses Thema Interesse zeigen, sagt er. Doch der Kalender sei etwas für Menschen, die sich für den Sport begeistern.

Es leben inzwischen weniger Rechtsextreme in Brandenburg und die Zahl der rechten Gewalttaten sinkt, freut sich Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD). Doch das sei kein Grund, sich zurückzulehnen. Turbine Potsdam sei ein gutes Beispiel, wie Integration im Sport funktioniert.

Im Training wird deutsch, englisch, japanisch und serbokroatisch gesprochen, berichtet Abwehrspielerin Josephine Henning. Es sei ein Sprachmix und nicht jeder verstehe jeden Fluch. Doch rassistische Bemerkungen sind ihr noch nicht zu Ohren gekommen, allerdings eine Beleidigung durch Fußballfans. In einem Stadion in Essen riefen Männer einmal: »Lira Bajramaj hat einen Damenbart.« Diese Rüpel waren Anhänger der Herrenmannschaft.

Der Sportbund will den Kalender an alle Vereine in Brandenburg verteilen und auch darüber hinaus kostenlos abgeben. Zunächst erschien der Kalender in einer Auflage von 5000 Exemplaren. Wenn die Nachfrage wie erhofft größer ist, dann wird nachgedruckt.

Geschäftsstelle des Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus im Bildungsministerium, Heinrich-Mann-Allee 107 in 14473 Potsdam, Tel.: (0331) 866 35 70, aktionsbuendnis-brandenburg.de

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