»Zeichen der Normalität«

In Köln wurde das Richtfest für die große Zentral-Moschee gefeiert – unter Polizeischutz

  • Von Dominik Clemens, Köln
  • Lesedauer: 2 Min.
Eine neue Heimat für Kölns Muslime entsteht im Stadtteil Ehrenfeld. Beim Richtfest der neuen DITIB-Zentralmoschee provozierte die rechtspopulistische Organisation »pro Köln« mit einer Mahnwache.

Es ist ein imposanter Komplex, der an der Venloerstraße entsteht. Zwei Minarette ragen 55 Meter in den Himmel, die zentrale Kuppel ist eingerüstet. Noch wirkt der Rohbau im Nieselregen ein wenig trostlos. Hier, mitten im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, baut die »Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.« (DITIB) ihre neue Zentralmoschee. Das von Paul Böhm entworfene Gebäude wird Platz für 1200 Gläubige und ein angeschlossenes islamisches Kulturzentrum bieten.

Die Bauarbeiten begannen im November 2009 und werden vor-aussichtlich bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Unter großem Medieninteresse und im Beisein zahlreicher Kölner Kommunalpolitiker feierte der Bauherr am Mittwoch das Richtfest.

»Wenn Muslime in Deutschland große oder repräsentative Moscheen errichten, dann ist das ein Zeichen von Normalität, es steht für ihre Hinwendung zu ihrer neuen Heimat. Wer baut, der bleibt« sagte Kölns OB Jürgen Roters (SPD). Der Bau des Gotteshauses sei alles andere als ein Symbol der Abgrenzung, sondern bekunde vielmehr Integration. Orhan Bile, Vorstandsmitglied des DITIB-Dachverbandes, bezeichnete die Moschee als Ausdruck des Teilwerdens und Teilhabens an der deutschen Gesellschaft. »Wir wachsen zusammen an diesem Bau – und wir wachsen zusammen über diesen Bau. Dieser Bau ist also ebenso wenig eine Einbahnstraße wie die Integration.«

Vor allem die Dimension und der repräsentative Charakter der Moschee hatten in der Planungsphase für eine kontroverse, teils rassistisch aufgeladene Debatte in Köln gesorgt. Insbesondere die seit 2004 im Rat der Domstadt vertretene extrem rechte Kleinpartei »pro Köln« nutzte die Diskussion, um ausländerfeindliche Stimmungen zu schüren. Die Rechtspopulisten organisierten mehrere Demonstrationen in Ehrenfeld und initiierten 2007 ein Bürgerbegehren gegen den Moscheebau, das jedoch scheiterte, weil mehr als ein Viertel der gesammelten Unterschriften ungültig war.

Am Mittwoch provozierte »pro Köln« am Rande des Richtfestes einen größeren Polizeieinsatz. Eine Hundertschaft war im Einsatz und hielt die rund 35 Rechtspopulisten, die eine »Mahnwache« abhielten, auf Abstand. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatte sich etwa die doppelte Zahl von Gegnern der Rechten versammelt. »Es ist gut, dass die Ehrenfelder die Moschee symbolisch schützen« sagte der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD). Die Rechten könnten sich der »normativen Kraft des Faktischen nicht entziehen«. Und so ist der Rohbau vor allem ein Symbol des Scheiterns der antiislamischen Kampagne der Rechtspopulisten.

Es scheint, dass Normalität im Stadtteil eingekehrt ist. Allerdings: Bei der jüngsten Kommunalwahl in Ehrenfeld konnte »pro Köln« Stimmen gewinnen. Mehr als sechs Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei den Rechten.

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