Ohren sitzen am Knie oder am Hintern

GARTENTIERE: Was zirpt denn da – Laub- oder Feldheuschrecken?

  • Von Prof. Dr. Ulrich Sedlag, Zoologe
  • Lesedauer: 2 Min.

Nicht selten trifft man im Garten auf Heuschrecken. Sie erscheinen allerdings nie in Massen und richten auch wohl kaum Schaden an. Ein feiner Dauerton verriet mir früher gelegentlich den größten Vertreter, das grüne Große Heupferd, dessen Weibchen bis 40 Millimeter Länge erreichen. Es ist nach wie vor vorhanden, aber beim Älterwerden kann man früher oder später die hohen Frequenzen nicht mehr hören.

Wohl jeder kennt Heuschrecken, aber meist ist man sich nicht dessen bewusst, dass sie durch zwei auch in der Lebensweise unterschiedliche Gruppen vertreten sind. Das Heupferd ist ein Vertreter der Laubheuschrecken, die man auch Langfühlerschrecken nennt und die im Vorgarten seit Jahren auch durch eine andere Art vertreten sind. In meinem Garten gibt es außerdem Feld- oder Kurzfühlerheuschrecken. Einmal saßen Vertreter beider Gruppen in einer Rosenblüte so beieinander, dass man deutlich die Unterschiede sehen kann, obwohl es sich bei der Laubheuschrecke noch um eine Larve handelt. (Foto: Sedlag)

Die äußeren Unterschiede sind deutlich bis gravierend. Vor allem gilt das für die Antennenlänge. Charakteristisch – aber nicht allgemeingültig – ist auch die unterschiedliche Färbung: Laubheuschrecken sind meist völlig oder weitgehend grün, Feldheuschrecken, die längst nicht so groß sind wie das Große Heupferd, eher braun oder grau.

Auch der Gesang kann zur Unterscheidung der beiden Gruppen beitragen. Die Männchen der Laubheuschrecken zirpen durch Flügelschwirren. Die der Feldheuschrecken machen sich durch Reiben der mit feinen Zähnen besetzten Sprungbeine an einer scharfen Kante im Flügelgeäder bemerkbar, was zu Unterbrechungen beim Wechsel von einer zur anderen Seite führt. Das Fügelschwirren der Laubheuschreckenmännchen hingegen ermöglicht einen Dauerton. Findet man tote Tiere, kann man sich mit einer Lupe die Hörorgane ansehen: Bei den Laubheuschrecken verraten sie sich durch Schlitze unter den Knien der Vorderbeine. Bei den Feldheuschrecken erkennt man Trommelfelle an der Basis des Hinterleibs.

Feldheuschrecken, die in Bodennähe leben, sind Pflanzenfresser. Laubheuschrecken, die überwiegend im Mittelstock unseres Gartens (die des Vorgartens bevorzugt an Rosen) zu Hause sind, ernähren sich dagegen vor allem von kleinen Insekten und Larven, daneben aber auch von zarten Pflanzenteilen.

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