Japans Wirtschaft wankt

Die Industrieproduktion ist teils zum Erliegen gekommen und der Nikkei stürzt immer weiter ab

Der Nikkei an Tokios Börse befindet sich seit Tagen im Sinkflug, die Wirtschaft ist in einigen Landesteilen zum Erliegen gekommen, die Energieversorger verhängen Stromsperren. Die Erdbeben- und atomare Katastrophe droht für Japan auch zu einer wirtschaftlichen Katastrophe zu werden.

Tokio/Berlin (Agenturen/ND). Das schwerste Beben in Japans Geschichte hat die Wirtschaft in Teilen des Landes zum Erliegen gebracht. Zahlreiche Unternehmen stoppten die Produktion, darunter die Autobauer Toyota, Honda und Mitsubishi. Viele Fabriken wurden zerstört und der Strom fiel aus. Etwa beim Kamerahersteller Canon wurden einige Werke so schwer beschädigt, dass die Produktion möglicherweise einen Monat oder länger ausgesetzt werden muss. Die japanische Industrieproduktion wird nach Meinung von Wirtschaftsexperten auf unabsehbare Zeit beeinträchtigt sein, da die Wirtschaft derzeit mit ausbleibenden Zulieferungen und Energieengpässen zu kämpfen habe.

An der Tokioter Börse führen seit Tagen Panikverkäufe zu immer dramatischeren Kursstürzen. Am Dienstag rutschte der Nikkei-225-Index um 10,55 Prozent auf 8605,15 Punkte ab. Das war der größte Kursverlust seit Oktober 2008. Die japanische Notenbank pumpt unterdessen Milliarden in die Stützung des Yen, um einen Kollaps der Geldmärkte zu verhindern. Nachdem sie bereits am Montag umgerechnet 130 Milliarden Euro in die Finanzmärkte gespült hatte, folgten am Dienstag weitere acht Billionen Yen (70 Milliarden Euro).

Dadurch stabilisierte sich am Dienstag der Kurs der japanischen Währung wieder bei 81,50 Yen für einen US-Dollar, nachdem der Yen zwischenzeitlich mit 80,60 Yen für einen Dollar auf ein neues Jahrestief gefallen war.

Wie stark sich die Katastrophe auf die japanische Wirtschaft auswirken wird, hängt nach Meinung von Experten vor allem davon ab, ob der befürchtete Super-GAU eintritt. Eine mögliche Kernschmelze würde die Lage in dem Inselstaat dramatisch zuspitzen, weil der Großraum Tokio fast 20 Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung erbringt. »Das würde zu immensen Produktionsausfällen führen, mit entsprechenden Folgen für Beschäftigung und Produktion – eine Dimension, die wir uns bisher kaum vorstellen können«, schätzte etwa der Postbank-Chefvolkswirt Marco Bagel am Montag ein.

Unterdessen reagieren Japans Energieversorger auf die massiven Reaktorausfälle mit immer mehr Stromsperren. Nachdem bereits Einschränkungen für den Großraum Tokio angeordnet worden waren, dehnten die Versorger die Sperren am Dienstag auch auf den Nordosten des Landes aus. Im Osten Japans sollen die Rationierungen mindestens bis Ende April andauern. Für den Nordosten des Landes müsse mit noch längeren Einschränkungen gerechnet werden.

Nun macht sich Sorge breit, dass die Maßnahmen die ohnehin stark getroffene Wirtschaft noch zusätzlich behindern werden.

Japan zählt mit einem Schuldenstand von über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung bereits jetzt zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung