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Anspruchsvolle Strandlektüre

Usedomer Literaturtage erkunden das Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien

Grenzlandgeschichten – so lautet das Motto der diesjährigen Usedomer Literaturtage, die vom 30. März bis zum 3. April auf der Ostsee-Insel stattfinden.

Literatur hat auf der Insel Usedom eine lange Tradition. Man denke an Fontanes »Kinderjahre« in Swinemünde, die Usedom-Sommerfrischler Thomas Mann und Maxim Gorki oder an Hans Werner Richter, den aus Bansin stammenden Gründer der Gruppe 47. Die Usedomer Literaturtage führen diese Tradition fort, indem sie nun bereits zum dritten Mal Mitglieder der schreibenden Zunft zu Lesungen an verschiedenen Orten der Insel einladen.

Thematisch steht der Gedanke des europäischen Austauschs im Vordergrund. So ist Martin Pollack am 2. April auf Usedom zu Gast, der für seine Verdienste soeben den Leipziger Buchpreis erhielt. Der österreichische Schriftsteller hat sich intensiv mit der Geschichte Galiziens beschäftigt, jener Grenzregion zwischen dem heutigen Polen und der Ukraine.

Das passt zum diesjährigen Schwerpunkt der Usedomer Literaturtage. Auf dem Programm stehen nämlich »Grenzlandgeschichten« – so das Motto – aus dem Dreiländereck zwischen Polen, Tschechien und Deutschland. Einem Gebiet also, das historisch von immer wieder neu gezogenen Grenzlinien geprägt ist. So kann der Besucher den Spuren des deutschböhmisch-jüdischen Schriftstellers Johannes Urzidil folgen, einem Mitglied des Prager Kreises um Franz Kafka und Max Brod. Am 1. April präsentieren Vera Schneider und Klaus Johann ihre Urzidil-Biografie »HinterNational«.

Zwei Autorinnen, die sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen, sind tags darauf in einer Matinee zu Gast. Die preisgekrönte polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk entführt in »Taghaus, Nachthaus« in die niederschlesische Provinz. Die 25-jährige Sabrina Janesch erzählt in ihrem Debütroman »Katzenberge« von ihrem Großvater, der Galizien verlassen und sich in einem schlesischen Dorf in der Nähe von Wroclaw niederlassen musste. Erstmals wird der Usedomer Literaturpreis verliehen, mit dem fortan Autoren ausgezeichnet werden sollen, die sich den innereuropäischen Dialog auf die Fahnen geschrieben haben. Debüt-Preisträgerinnen sind die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková und ihre Übersetzerin Eva Profousová, die diese Auszeichnung für den Roman »Ein herrlicher Flecken Erde« erhalten. Das Buch bietet einen Schlüssel zum Verständnis der komplexen tschechischen Nachkriegsgeschichte. Es handelt von einer Holocaust-Überlebenden, die nach dem Krieg in ihr tschechisches Heimatdorf zurückkehrt und von dort als Deutschböhmin erneut vertrieben wird.

Hellmut Karasek überreicht den beiden Tschechinnen ihren Preis auf der Abschlussveranstaltung am 3. April. Damit die Tradition der schreibenden Sommerfrischler lebendig bleibt, ist die Auszeichnung mit einem vierwöchigen Aufenthalt in Ahlbeck verbunden.

Details zum Programm der Usedomer Literaturtage unter: www.usedomerliteraturtage.de

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