Auflösen, einfangen oder absaugen

Beim Schlaganfall richtet sich die Therapie nach der Größe des Blutgerinnsels

  • Ulrike Henning
  • Lesedauer: 2 Min.
Die gängige Behandlung eines Schlaganfalls besteht heute darin, Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen. Der Vorgang wird Thrombolyse oder kurz Lyse genannt. Eine Studie ergab jetzt, dass größere Gerinnsel erfolgreicher mit einem Katheter zu therapieren sind.

Der Blutpfropfen ist in der Regel an einem anderen Ort im Körper entstanden, häufig im Herzen, etwa durch Kammerflimmern. Er wandert in Blutgefäße des Gehirns und verstopft diese. Der Einsatz von Medikamenten hilft leider nur in 20 Prozent der Fälle. Eine neue Studie vom Universitätsklinikum Kiel kommt zu dem Schluss, dass dies bei Gerinnseln gelingt, die bis zu sechs Millimeter lang sind. Ist der Thrombus größer, müssen andere Therapien eingesetzt werden. Vermessen lassen sich die Blutpfropfen mittels bestimmter Dünnschichtaufnahmen vom Gehirn in einem Computertomografen (CT). Ist der Thrombus länger als sechs Millimeter, sollte besser mit dem Katheter behandelt werden. Neuere Publikationen zeigen, dass so in 90 Prozent der Fälle die Gefäße wieder geöffnet werden können – Voraussetzung für die lebensnotwendige Durchblutung der Gehirnareale. Auch hier gilt ein enger Zeitrahmen von vier bis sechs Stunden, innerhalb derer das Absterben der Hirnzellen verhindert werden muss.

Bevor die Therapie wirken kann, kommt es im Falle der Verstopfung eines Blutgefäßes im Gehirn oft noch zu einer Notversorgung durch kleinere Blutgefäße. Die Entscheidung zum Kathetereinsatz wird danach getroffen, wie groß das Hirnareal ist, das noch vor einer Durchblutungsstörung gerettet werden kann. Bei Einblutungen in das Gehirn ist die Methode nicht einsetzbar; ebenso wenig dann, wenn kleinere Gefäße verstopft sind. Die Neuroradiologen vergleichen die stentartigen Instrumente, die mittels Katheter eingeführt werden, mit Fischreusen. Das Gerinnsel wird mit ihnen eingefangen oder abgesaugt.

Die hohen Anforderungen einer solchen intervenierenden Schlaganfalltherapie können nicht alle Krankenhäuser erfüllen. Gebraucht wird dafür ein Behandlungsteam mit einem in der Methode erfahrenen Neuroradiologen. Deshalb kooperieren die großen Kliniken, etwa an Universitäten, immer häufiger mit kleineren Einrichtungen. In Hamburg erprobt eine Arbeitsgemeinschaft von mehreren Krankenhäusern ein neues Behandlungsschema. Die Patienten werden bereits ab Beginn der Lyse so überwacht, dass eine eventuell nötige Katheterbehandlung sofort angeschlossen werden kann. Schon in diesem Stadium können Neuroradiologen in den drei Hamburger Zentren Untersuchungsdaten, darunter digitale Bilder, ohne Zeitverlust über ein internes Glasfasernetz einsehen. Eine ähnliche Kooperation bildet das Schlaganfallnetz Ostsachsen mit seinem Zentrum an der Dresdner Universität, zu dem in diesem Jahr 16 kleinere Krankenhäuser gehören. Hier werden ärztliche Konsile per Video ermöglicht. Schon 2010 konnten auf diesem Weg in 861 Fällen der Rat der Dresdner Neuroradiologen eingeholt werden. 20 Prozent der Fälle erwiesen sich dabei nicht als Hirninfarkte, insgesamt 215 Patienten wurden zur weiteren Behandlung nach Dresden verlegt.

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