Mietspiegel 2011

Berliner Mieten um jährlich 4 Prozent gestiegen

Schlechte Nachrichten hatte die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer am Montag zu überbringen: den aktuellen Mietspiegel. Das rief auch Überraschungsgäste auf den Plan.
Berlin (dpa/bb) - Die Mieten sind in Berlin in den vergangenen beiden Jahren deutlich schneller gestiegen als zuvor. Nach dem am Montag vorgestellten neuen Mietspiegel gab es eine durchschnittliche Steigerung um 4 Prozent im Jahr. Das sind 20 Cent mehr pro Quadratmeter und Jahr. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis ohne Heizung und Betriebskosten liegt danach bei 5,21 Euro. Die Pressekonferenz von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) wurde am Montagvormittag gleich von zwei Gruppen von jungen Protestierern gestört und unterbrochen.

Junge-Reyer führte das überproportionale Wachsen der Mieten auf einen "Nachholeffekt" zurück. Von 2007 bis 2009 seien die Wohnkosten wegen der Wirtschaftskrise weniger angestiegen, das habe sich jetzt ausgeglichen. Auf zehn Jahre gerechnet, habe die Zunahme gleichmäßig bei etwas mehr als zwei Prozent jährlich gelegen.

Die Senatorin verwies auf andere Großstädte wie München (Mittelwert 2011: 9,79 Euro/Quadratmeter) und Hamburg (2009: 6,76 Euro). Obwohl es in Berlin niedrigere Einkommen gebe, gelte weiter: "Berlin bleibt die preiswerteste Großstadt in Deutschland."

Die Kosten für das Wohnen in der Hauptstadt entwickeln sich je nach Bezirk und Wohnung sehr unterschiedlich. Bei rund 220 000 teureren Altbauwohnungen in beliebten Innenstadtlagen stiegen die Mieten um 5,5 Prozent im Jahr. Neubauwohnungen legten teilweise um 7 Prozent zu. Rund 200 000 Plattenbauwohnungen im Ostteil wurden hingegen im Schnitt nur um 2,3 Prozent teurer - das entspricht gerade einmal der Inflationsrate.

Am billigsten sind schlecht ausgestattete Altbauwohnungen in weniger beliebten Gegenden wie Wedding, wo es noch Durchschnittsmieten zwischen 3 und 4 Euro pro Quadratmeter gibt. Günstig sind auch größere Plattenbauten mit einfacher Ausstattung für 4,33 Euro. Altbauten in guten Zustand und gute Neubauwohnungen erreichen schnell etwa 6 Euro pro Quadratmeter. Am teuersten sind große und sehr gute Neubauwohnungen aus den vergangen Jahren, etwa in Mitte oder Prenzlauer Berg, für die Mieter im Durchschnitt 8,19 Euro/Quadratmeter bezahlen.

Junge-Reyer betonte, gegen übermäßige Steigerungen müsse etwas getan werden. "Wir müssen uns mit diesem Thema auseinandersetzen." Gegensteuern könne man über die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften, deren Mieten stabil bleiben sollten. Gegen den Missbrauch von vielen tausend Mietwohnungen als Ferienwohnungen für Touristen müssten die Bezirke vorgehen.

Eine Bundesratsinitiative gegen schnelle Mieterhöhungen hatte der Senat im Herbst 2010 gestartet. Anderseits sagte die Senatorin mit Blick auf Nord-Neukölln, das sich von einer sehr billigen Wohngegend zu einem beliebten Kiez entwickelt: "Wir wollen auch eine Aufwertung von Quartieren. Es ist richtig und wichtig, dass auch junge Familien mit Kindern nach Nord-Neukölln ziehen."

Der Mietspiegel wird alle zwei Jahre aufgestellt. Er erfasst für 1,2 Millionen Wohnungen Veränderungen durch Neuvermietungen oder angepasste Verträge, bildet also nicht genau die Durchschnittsmieten ab, da lang laufende Altverträge häufig billiger sind. Nicht enthalten sind anderseits Wohnungen aus dem Sozialen Wohnungsbau, die inzwischen häufig teurer als der Durchschnitt sind.

Etwa zehn junge Demonstranten mit roten Kapuzenpullovern und weißen Theatermasken entrollten gleich zu Beginn in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Wilmersdorf ein Transparent: "Steigende Mieten - die Stadt gehört uns". Auf ihren Pullovern nannten sie sich "Die Überflüssigen". Sie warfen zu der Musik aus dem Film "Ghostbusters" mit Konfetti und riefen über ein Megafon zu Protesten auf. Nach einigen Minuten verschwanden sie von selber.


Weitere Berlin-Themen:

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung