Himmelfahrt in Afghanistan

Schlechter Ruf nach besserer Ausrüstung

Nach dem Tod von vier Bundeswehr-Soldaten innerhalb weniger Tage hat der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), eine bessere Ausrüstung für die Truppe in Afghanistan gefordert. Es würden vor allem Spezialfahrzeuge gegen Sprengfallen gebraucht.

In Afghanistan sind bislang 52 deutsche Soldaten ums Leben gekommen, 34 von ihnen in Gefechten oder bei Anschlägen. Der bislang letzte – ein 23-jähriger Oberstabsgefreiter der Panzerbrigade 21 Lipperland – starb am Donnerstag, als sein Schützenpanzer »Marder« in der nordafghanischen Provinz Baghlan 36 Kilometer südlich von Kundus in eine Sprengfalle geriet. In Deutschland war Feiertag.

Wem beim Nachdenken darüber der Begriff »makaber« in den Sinn kommt, liegt richtig. Doch es hilft nichts, wenn man Fakten verdrängt. Die Aufständischen in Afghanistan wissen natürlich, dass Anschläge gegen deutsche Soldaten an Feiertagen eine zusätzliche Wirkung haben. Weihnachten, Karfreitag, Himmelfahrt sorgten sie für Tod und entsprechende Schlagzeilen in der Heimat der Soldaten. Auch über das Propagandistische hinaus haben die Aufständischen ihre Taktik gründlich verändert. Kein Kräftemessen zwischen AK-47 und Feldhaubitzen. Sie organisieren blutig endende Demonstrationen wie in Talokan, sie dringen in schwer bewachte Regierungsfestungen ein und töten nicht mehr nur beliebig, sondern wichtige Amtsträger. Sie haben die afghanische Polizei und Armee infiltriert. Schüsse aus den Waffen der Verbündeten bringen neben Tod auch Misstrauen. Sie haben ihre Sprengfallen perfektioniert und zünden sie, wenn Gerät vorbei rollt, das so gefürchtet ist wie es unbesiegbar schien. Das motiviert den Freund, demoralisiert den Feind.

Der am Donnerstag – wie es im Militärjargon heißt – angesprengte »Marder« gehört zur modernsten Serie 1A5. Mit seinen Nachrüstungen insbesondere gegen Minen sei er das bestgeschützte Fahrzeug der Bundeswehr im Einsatz. Obwohl man vorgibt, alles für die Sicherheit der »Marder«-, »Eagel«-, »Dingo«- und »Fuchs«-Besatzungen zu tun, ist man froh, wenn US-Spezialfahrzeuge voraus fahren, um Sprengfallen aufzuspüren. Dabei ist es eine alte Gewissheit, dass jede Waffe ihre Entsprechung findet. Das gilt auch für die demnächst eingesetzten biometrischen Erkennungscomputer, mit denen verhindert werden soll, dass man sich als Arbeiter in Camps der Bundeswehr einschleichen kann.

Auch asymmetrische Kriege wie der afghanische folgen der Logik von Aktion und Reaktion. Womöglich war der Anschlag am Donnerstag im Raum Baghlan-e-Jadid eine Reaktion auf einen dieser nächtlichen Geheimangriffe. Bei diesem »Night-Ride« hatte man in Balkh einen angeblich hohen Komplizen des getöteten Al-Qaida-Chefs Bin Laden ergriffen. Glaubt man britischen Quellen, so war das ein Einsatz der deutschen Task Force 47. Zu dieser geheimen Truppe werden noch immer keinerlei Auskünfte erteilt.

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