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Onlineportal mit Finanzproblemen

Unabhängiger Internet-Verbraucherschutz ist trotz großen Bedarfs eine Seltenheit

Ein Online-Aufklärungsprojekt zur sicheren Internetnutzung verliert die staatliche Förderung – und steht damit womöglich vor dem Aus.

Die meisten Menschen sind von den Risiken der Internetnutzung überfordert. Das zeigt sich nicht nur, wenn sie lax mit persönlichen Daten umgehen, E-Mails über unverschlüsselte Verbindungen verschicken, Passwörter auf gefälschte Anfragen hin herausgeben oder den Virenscanner vernachlässigen. Es zeigt sich gerade auch am weit verbreiteten Unwissen.

Wer kennt schon wirklich Googles Möglichkeiten der Auswertung persönlicher Daten? Wer kann erklären, was Cookies sind und wie sie ausgeschaltet werden können? Und das seit vielen Jahren mögliche anonyme Surfen ist auch alles andere als ein Massenphänomen.

Glücklicherweise gibt es Onlineportale, die, öffentlich oder privatwirtschaftlich finanziert, Aufklärung betreiben. Eines davon ist »Verbraucher Sicher Online« (VSO). Sein Alleinstellungsmerkmal besteht laut Projektleiter Kei Ishii darin, dass es die technische Seite fokussiert: Welche Maßnahmen kann ich selbst an meinem Computer treffen, um meine Anonymität zu wahren, mich vor Angriffen zu schützen oder meine Daten sicher zu haben? VSO vermittelt praktische Grundkenntnisse zum Internet und zum eigenen Computer.

Angesiedelt ist die siebenköpfige Redaktion an der Technischen Universität (TU) Berlin, finanziert wird sie vom Bundesverbraucherschutzministerium. Ende des Jahres läuft die Förderung aber planmäßig nach drei Jahren aus. »Wir führen Gespräche, unter anderen mit einem der Industrieverbände, aber es hat noch kein Geldgeber zugesagt«, berichtet Ishii. Das Projekt solle an der TU verbleiben, wo es auch an zwei Professuren angeschlossen ist, könne aber von einer kleineren Redaktion fortgeführt werden, jetzt, wo der Aufbau gelungen sei. »Überall wird gefordert, Medien- und Internetkompetenz zu verankern – die wenigen Angebote, die es im Internet gibt, sind aber von unterschiedlicher Qualität«, erläutert der promovierte Informatiker, der nun eine zentrale Sammelstelle für seriöse und stets aktualisierte Informationen mit aufgebaut hat.

Die Privatwirtschaft sei zwar generell auch gehalten, Informationen dazu ins Internet zu stellen, wie sich die Bevölkerung vor kommerziell motivierter Ausspionierung schützen kann; und der Branchenverband Onlinewerbung habe auch ein solches Portal geschaltet – doch dessen (gewollt?) geringer Bekanntheitsgrad wird schon dadurch unter Beweis gestellt, dass Ishii selbst nach kurzer Internetsuche nicht auf den Namen des Portals kommt.

Auch VSO sei noch nicht bekannt genug, gibt der Projektleiter zu. Dennoch stuft das Ministerium gegenüber ND das Portal als »wichtiges und erfolgreiches Projekt« ein. Dass es nur eine Anschubfinanzierung geben würde und VSO sich weitere Mittel selbst beschaffen müsse, sei jedoch von Anfang an klar gewesen. Weitere Bundesmittel werde es nicht geben.

»Dabei ist gar nicht so viel Geld nötig«, meint Bernd Lutterbeck. Der emeritierte TU-Professor hatte VSO einst beantragt. 400 000 Euro betrage das Jahresbudget bisher, zukünftig könne es bedeutend weniger sein. Der Datenschutzpionier lobt an dem »bedeutenden Portal« dessen wissenschaftsbasierte Unabhängigkeit. Die Redaktion sei an der TU angestellt und somit nicht weisungsgebunden – anders als die Portale, die »von Microsoft und Konsorten finanziert« werden, und anders auch als die Verbraucherzentralen, wo Ministerien die Finger mit im Spiel hätten. Lutterbeck kann sich vorstellen, dass das Ministerium Wege finden könne, VSO oder ein modifiziertes Nachfolgeprojekt weiter zu unterstützen.

www.verbraucher-sicher-online.de

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