»Serbien lässt sein Volk nicht im Stich«

Merkels Kosovo-Forderungen zurückgewiesen

  • Lesedauer: 2 Min.
Serbien hat die Forderungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Änderung der Kosovo-Politik Belgrads entschieden abgelehnt.

Belgrad (dpa/AFP/ND). »Serbien wird sein Volk in Kosovo nicht im Stich lassen«, sagte Staatspräsident Boris Tadic der staatlichen Nachrichtenagentur Tanjug. Er nehme auch in Kauf, dass dadurch möglicherweise die weitere Annäherung an die EU gefährdet werde.

Merkel hatte bei ihrem ersten Besuch Serbiens in dieser Woche Bedingungen für die zum Jahresende angestrebte Zuerkennung des EU-Beitrittskandidatenstatus gestellt. Neben weiteren Reformen müsse das Balkanland seine »parallelen Institutionen« in Nordkosovo auflösen. Im Norden der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo hat die heutige Zentralregierung in Pristina, die von Albanern dominiert wird, wegen der kompakten serbischen Bevölkerung keinen Einfluss.

Die Institutionen Serbiens im Norden Kosovos seien »lebenswichtig für die Existenz eines jeden Menschen«, begründete Staatspräsident Tadic seine Weigerung. Darum sei »die Forderung, dass die Republik Serbien an der Abschaffung der nationalen Institutionen mitwirken muss, einfach unnatürlich und Serbien kann das nicht akzeptieren«.

Serbien unterstützt seine Landsleute in Nordkosovo mit über 200 Millionen Euro im Jahr. Die Kommunalverwaltungen, der Zoll, die Polizei und die Unternehmen werden aus Belgrad bezahlt. Kosovo wird zu 90 Prozent von Albanern bewohnt, die Serben stellen jedoch im Norden die Mehrheit. Das Land hatte sich 2008 von Serbien abgespalten.

»Wenn der Dialog auf unausgeglichene Art und Weise organisiert wird und Belgrad sämtliche Forderungen Pristinas annehmen muss, ist das nicht länger ein Dialog, sondern Erpressung«, erklärte zu den Forderungen Merkels der für europäische Integration zuständige Vizeregierungschef Bozidar Djelic der Nachrichtenagentur Beta.

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