Reines Zuschussgeschäft

Berliner Fundbüros und Sammelstellen arbeiten nicht kostendeckend

  • Von Vanessa Steinmetz, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer hat es nicht schon einmal erlebt: Gedankenverloren lässt man den Schlüssel im Café liegen, einen Regenschirm in der Bahn stehen oder vergisst auch mal eine Aktentasche beim Check-in am Flughafen. Derart Verlorenes wird meist schmerzlich vermisst. Gut, wenn ehrliche Finder auch die noch so banalsten Alltagsgegenstände genauso wie Kuriositäten in ein Fundbüro tragen. Doch was die einen freut, ist für die Betreiber ein echtes Zuschussgeschäft: Die Sammelstellen arbeiten oft nicht kostendeckend, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Spitzenreiter bei den Fundsachen ist das Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Dort werden im Jahr rund 48 000 Gegenstände von Mitarbeitern und Passanten abgegeben, wie Sprecherin Petra Reetz berichtete. Im zentralen Fundbüro Berlin landet nur knapp halb so viel: Bis zu 25 000 verlorene Dinge warten jedes Jahr auf der rund 12 000 Quadratmeter großen Lagerfläche auf ihren Eigentümer, sagte Manfred Schneider.

Die Deutsche Bahn (DB) sammelt die auf Berliner Bahnsteigen und Zügen vergessenen oder verlorenen Dinge in einem Büro im Bahnhof Zoologischer Garten. Dort wurden nach Angaben eines Bahnsprechers im letzten Jahr mehr als 18 300 Stücke abgegeben. Am Flughafen Tegel gibt es im Vergleich dazu etwas weniger zu tun: Mitarbeiter Kai Kelm schätzt, dass etwa 2000 Fundstücke im Jahr dort eingesammelt und abgegeben werden.

»Schlüssel, Portemonnaies, Handys«, zählt Schneider vom Zentralen Fundbüro auf. »Kurioses hatten wir schon ewig nicht mehr.« Die top Drei der Deutschen Bahn in Berlin: Gepäckstücke, Geldbörsen und Elektronik. Dort finden sich aber auch noch außergewöhnliche Stücke ein, wie zum Beispiel eine originalverpackte Waschmaschine, die wohl jemand in die S-Bahn geschleppt, aber dann dort vergessen hatte. Auf dem Flughafen wird logischerweise vor allem liegengelassen, was eigentlich mit auf große Reise sollte. »Das reicht vom Teddybär bis hin zum Reisepass«, sagt Kelm.

Nur 20 Prozent der Stücke im Zentralen Fundbüro werden wieder abgeholt. Die BVG kann mit rund einem Drittel mehr verlorene Gegenstände wieder zurück vermitteln. Am Berliner Flughafen ist die Quote mit 40 Prozent etwas höher. »Vor allem die hochwertigen Dinge wie Laptops bleiben aber häufig liegen«, wundert sich Kelm. Am häufigsten werden Suchende im Fundbüro im Bahnhof Zoologischer Garten wieder fündig: Die Quote liegt hier bei knapp zwei Drittel.

Am längsten lagern die Fundsachen im Zentralen Büro. Kann der Besitzer nicht ermittelt werden, bleibt das Sammelsurium ein halbes Jahr dort, danach werden sie versteigert oder vernichtet. Schlüssel beispielsweise werden nicht weitergegeben sondern eingeschmolzen. Bei den Auktionen kommen dann rund 65 000 Euro im Jahr zusammen. Die Kosten für das Büro beziffert Schneider aber mit mindestens 480 000 Euro im Jahr, die Personalkosten trägt das Bezirksamt. Selbst die »Schusseligkeitsgebühr« von drei Euro bis zu zehn Prozent des Wertes reiche nicht aus, um die Kosten zu decken, berichtete Schneider. »Wir müssten Gebühren über dem Neupreis nehmen, damit sich das rechnet. Dann würde niemand mehr die Sachen abholen.«

Um einen verlorenen Gegenstand auszulösen, wird auch am Flughafen Tegel eine Gebühr von fünf Euro fällig. »Trotzdem rechnet sich das Fundbüro alleine natürlich nicht«, sagte Kelm. Die Bahn hebt die abgegebenen Dinge eine Woche in der Hauptstadt auf, dann werden sie in die zentrale Sammelstelle in Wuppertal weitergeleitet.

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