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Schreibtischhelden

Kommentar von Wolfgang Hübner

Das französische Satireblatt »Charlie Hebdo« beruft sich bei der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen auf die Pressefreiheit. Doch diese bedeutet nicht, alles zu sagen, was möglich ist; sie bedeutet, alles sagen zu dürfen – und genau deshalb genau zu überlegen, was man sagt
Im Streit um Schmähvideo und Mohammed-Karikaturen hat das französische Satireblatt »Charlie Hebdo« für neuen Zündstoff gesorgt. Am Mittwoch veröffentlichte es Karikaturen mit dem Propheten Mohammed, die Muslime als Provokation verstehen müssen und wohl auch sollen. Das ist legitim – aber ist es auch klug?

Nein, klug ist es nicht, und man muss da gar nicht streiten, von wem die erste Provokation ausging, wer zur Gewalt gegriffen hat und wie weit Toleranz gehen sollte. Nachdem es bei den wütenden Protesten in islamisch geprägten Ländern schon Tote gegeben hat, ist es alles andere als eine Heldentat, an einem Pariser Schreibtisch neue Provokationen zu basteln. In Gefahr geraten andere – nicht umsonst schließen Frankreich und weitere Staaten heute Botschaften und Schulen im Ausland.

Die Berufung der Pariser Satiriker auf die Pressefreiheit ist wohlfeil; denn diese Freiheit zwingt niemanden, etwas zu tun. Pressefreiheit bedeutet nicht, alles zu sagen, was möglich ist; sie bedeutet, alles sagen zu dürfen – und genau deshalb genau zu überlegen, was man sagt. Pressefreiheit ist kein Spielzeug, sondern eine Errungenschaft und erfordert einen ernsthaften Umgang. Und sie hat mit der Verantwortung für die Folgen zu tun, die aus dem veröffentlichten Wort oder Bild resultieren.

Nicht ganz nebenbei: Die jüngste Ausgabe von »Charlie Hebdo« war im Nu ausverkauft; zum heutigen Gebetstag der Muslime sollten die Kioske wieder reichlich beliefert sein. Da freut sich der Prokurist des Blattes.

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