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Zheng He - der Kolumbus Chinas

Er entdeckte für das Reich der Mitte den Seeweg über den Indischen Ozean nach Ostafrika

  • Von Dr. sc. Yang Enlin
  • Lesedauer: 4 Min.
Man nennt ihn den »Kolumbus Chinas«: den Seefahrer Zheng He (1371-1435). Der chinesische Admiral erschloss seinem Land eine »Seidenstraße auf dem Meer« - schon Jahrzehnte vor den Entdeckungsreisen des Christoph Kolumbus.
Es war 1385, als Zhu Yuan-zhang, der erste Kaiser der Ming-Dynastie, seinem General Mu Ying befahl, einen Aufstand in Yunnan niederzuschlagen. In der Stadt Kunyang wurde der noch jugendliche Muslim Ma Sanbao gefangen genommen, der dem General durch ungewöhnliche Fähigkeiten als Schwimmer und Segler auffiel. Ma wurde als Eunuch an den Hof zu Nanjing (Nanking) geschickt, wo er dem Kaisersohn Zhu Di diente. Der verlieh dem Jungen den Namen Zheng He - der »Feierliche Friede«. Als Zhu Di als Kaiser auf den Thron gelangte, begann eine Periode aktiver Außenpolitik des Ming-Reiches. Kaufleute und Adel traten für erweiterte Handelsbeziehungen mit dem Ausland ein. Der Kaiser selbst regte den Bau von Schiffen und Waffen an. Am 11. Juli 1405 stach eine aus 62 Schiffen bestehende bewaffnete Handelsflotte vom Hafen Liujiagang nordwestlich von Shanghai in See. Ihr Kommandeur war Zheng He. In den Jahren bis 1433 unternahm Zheng He an der Spitze einer riesigen Flotte sieben große Expeditionen nach Südostasien, Indien, zur Arabischen Halbinsel, an die Ostküste Afrikas und zum Roten Meer. Zunächst segelte er längs der Küste Vietnams nach Süden bis Ostjava und Sumatra. Danach setzte er seine Fahrt durch die Straße von Malakka in den Indischen Ozean und nach Ceylon (Sri Lanka) fort, steuerte Calicut an Indiens Malabarküste an und traf im September 1407 wieder in der Heimat ein. Die Schiffe Zheng Hes waren größer als die bis dahin gebauten Handels- und Kriegsschiffe und besaßen eine weitaus bessere Ausrüstung. Sie hatten neun Masten und zwölf Segel, das größte Fahrzeug maß 150 Meter. Allein zur Bedienung der Segel, der Steuervorrichtung und der Anker wurden etwa 300 Mann gebraucht. Am Tag orientierten sich die Seefahrer nach der Sonne, nachts nach den Sternen. Doch sie benutzten auch den Kompass. Oft wurde die Tiefe des Meeres gemessen. Die von Zheng He danach angefertigte Seekarte ist Chinas älteste. Während der zweiten Expedition (1407-09) mit 48 Schiffen wurden die Reiche Calicut, Cochin (Malabarküste) und Ceylon zu Vasallen des Ming-Kaisers erklärt. Die dritte Reise (1409-11) führte nach Siam (Thailand), Malakka (Malaysia) zur Malabarküste und nach Ceylon. Von Ceylon brachte Zheng He den Inselkönig Arikuner als Gefangenen mit. Auch Malakka musste China fortan Tribut zollen. Auf ihrer vierten Fahrt, die 1413 begann, erreichte die Flotte die Straße von Hormus, den Zugang zum Persischen Golf. Dort teilte sie sich: Zheng He segelte an die Ostküste Afrikas und unterwarf unter anderem die Stadtstaaten Mogadischu und Baraawe (Somalia) sowie Malindi (Kenia). Auf dem Rückweg lief er Aden an, ankerte vor der Küste Omans und fuhr in die Straße von Hormus ein. 1416 nach China zurückgekehrt, ließ er noch im selben Jahr erneut die Anker lichten und begab sich von Sumatra aus zur Küste Somalias und zur Arabischen Halbinsel. Die Reise dauerte fast vier Jahre. Gestützt auf eine starke Militärmacht und dank Zheng Hes außenpolitischen Erfolgen festigte Kaiser Zhu Di seine Macht. Die Seefahrer brachten Gewürze, Farbstoffe, Edelsteine, seltene Vögel und andere Tiere mit, die bei der reichen Oberschicht begehrt waren. Nach seiner sechsten Seereise, die 1421 begann, wurde Zheng He 1424 als Bevollmächtigter des Kaisers nach Singapur entsandt, um dort einen Gouverneur einzusetzen. Zur selben Zeit starb Kaiser Zhu Di, dem zunächst sein Sohn und ein Jahr später sein Enkel Zhu Zhanji auf den Thron folgte. Dieser wiederum entsandte seinen Admiral Zheng He 1430 mit 128000 Bewaffneten in die überseeischen Vasallenstaaten, die ihrer Tributpflicht nicht nachkamen. Zu den Stationen dieser letzten Seereise gehörten Java, Singapur, Sumatra, Malakka, Ceylon, Calicut und die Straße von Hormus. Einen Teil der Flotte führte der Admiral nach Jiddah, dem Hafen von Mekka im Roten Meer. Von dort unternahm er eine Wallfahrt zum Heiligtum der Muslime, um es seinem Vater gleichzutun, der Mekka auf dem Landweg erreicht hatte. Im Juni 1433 liefen die Schiffe wieder in Liujiagang ein. Seide, Porzellan, Münzen, Gegenstände aus Gold, Silber, Bronze und Eisen, die Zheng He auf seinen Reisen mitgeführt hatte, kündeten in den Ländern am Rande des Indischen Ozeans vom Können chinesischer Handwerker. Seine sieben Expeditionen widerspiegelten zugleich einen beachtlichen Fortschritt im Schiffbau und im Seeverkehr. In Chinas Geschichte ging Zheng He indes als Entdecker des Seeweges über den Indischen Ozean nach Ostafrika ein. Im Gefolge seiner Expeditionen erschienen mehrere große Werke über die Meere und die Überseeländer, darunter die »Aufzeichnungen über die Barbarenreiche des westlichen Ozeans«, gedruckt im Jahr 1434.

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