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Mini-Strauß

Peter Gauwei er

Der49jähnge Münchener CSU-Vorsitzende unterlag im Machtkampf der aufstrebenden Stoiber-Riege und tritt zurück.

Foto: ZB/Franke

Daß Peter Gauweiler beim Münchener CSU-Parteitag am 14. Januar nächsten Jahres abtritt, gilt garantiert nur für das Amt des Bezirksvorsitzenden seiner Partei. Ansonsten dürfte der Rechtsanwalt künftig eher noch lautstärker zu hören sein als bisher, denn angeblich hat ihn

der Privatsender SAT 1 als Talkmaster gewonnen; gemeinsam mit Klaus Bölling soll er »Politiker in die Zange nehmen«.

»In die Zange« war Gauweiler in den letzten Wochen selbst geraten. Hatte er noch im Wahlkampf mit seinen Rechtsaußen-Thesen selbst bei Helmut Kohl Wohlgefallen gefunden, traf ihn die Niederlage der Bonner Koalition ebenso schwer wie der vorherige klare Sieg Edmund Stoibers in Bayern. Denn der Ministerpräsident war nie sein Freund gewesen, entfernte ihn gar 1994 aus dem Kabinett, wozu Gauweiler allerdings durch die Nutzung seiner politischen Position zum privaten Vorteil einigen Anlaß gegeben hatte. Nach dieser »Kanzlei-Affäre« hielt Gauweiler jedoch bis jetzt die Stellung in der Münchener Stadt-CSU, ehe ihm nun auch dort ein Rivale den Rang ablief. Der Vorsitzende konnte seinen Kandidaten für die bevorstehende OB-Wahl nicht durchsetzen; statt dessen tritt sein Intimfeind Hans-Peter Uhl an und für den mochte er nicht noch den Wahlkampf organisieren.

Der promovierte Jurist war bereits mit 22 Jahren Stadtrat in München, organi-

sierte später erfolgreich den OB-Wahlkampf Erich Kiesls in der Landeshauptstadt und profilierte sich dann im Amt des Kreisverwaltungsreferenten als knallharter Rechter. Das gefiel dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der ihn als Staatssekretär ins Innenministerium holte. Bei Strauß' Nachfolger Streibl wurde Gauweiler Umweltminister Gauweiler gilt in Bayern allenfalls als »Mini-Strauß« und ansonsten selbst im Freistaat als ein Politiker, der haarscharf am rechtsradikalen Rand balanciert. Gerade deshalb war er allerdings bislang der CSU stets gut genug dafür, mit populistisch-demagogischen Sprüchen die rechte Klientel bei der Stange zu halten. Inwieweit er sich künftig seiner Partei, deren Landtagsmandat er behält, noch verpflichtet fühlt, bleibt abzuwarten. Am Tag nach der Rücktrittserklärung tat auch sein enger Freund Manfred Brunner kund, er wolle den von ihm mitbegründeten »Bund freier Bürger« verlassen. Fühlen sich da zwei Rechte berufen, ihrer dumpfen »Bewegung« eine Führerschaft zu geben, die an den Stammtischen Furore machen kann? Peter Richter

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