Schöne Bescherung

Simon Poelchau über die Teuerungsrate der Deutschen Bahn

Kaum drei Tage ist es her, dass die Deutsche Bahn zusammen mit ihrem Fahrplanwechsel die Preise kräftig erhöht hat. Damit haben sich die Zugtickets seit der Umstellung des Preissystems im Jahr 2003 um mehr als ein Drittel verteuert.

Dass die Fahrpreiserhöhung berechtigt sind, lässt sich stark bezweifeln. Denn Konzernchef Rüdiger Grube will den Gewinn bis 2017 von derzeit 2,7 Milliarden auf runde vier Milliarden Euro steigern. Das wird ihm wahrscheinlich auch gelingen. In Sachen öffentlicher Fernverkehr ist die Bahn de facto Monopolist und auf den regionalen Strecken müssen ihre Konkurrenten der Bahn Entgelte für die Schienen- und Bahnhofsnutzung zahlen. Und das nutzt Grube aus. Er weiß, dass trotz Preissteigerung die wenigsten Kunden auf ihre Fahrt verzichten werden. Das Einzige nicht nachvollziehbare an diesem maßlosen Gewinnstreben ist, dass die Deutsche Bahn eben kein privates Unternehmen ist, sondern dem Bund gehört. Wem sollen die steigenden Gewinne nutzen?

Dem Bund etwa, dessen Steuereinnahmen sowieso schon sprudeln? Könnte er nicht auf den Profit verzichten und stattdessen für umweltfreundliche Mobilität zu humanen Preisen sorgen? Oder soll die Bahn wieder fit für einen neuen Privatisierungsversuch gemacht werden? Für die Kunden ist das auf alle Fälle keine schöne Bescherung.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung