Ein bisschen wild entschlossen
Wolfgang Hübner über den Eiertanz von Minister Friedrich beim Thema NPD-Verbot
Lange hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich gezögert, aber jetzt ist er ein bisschen wild entschlossen: Vor der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat er sich Anfang der Woche zum Thema NPD-Verbot so geäußert, dass die Öffentlichkeit genau so schlau ist wie vorher. Offenbar hat er einigermaßen widerwillig festgestellt, dass die Bundesregierung wohl oder über handeln müsse, nachdem er Bundesrat Ende 2012 einen Verbotsantrag gestellt hatte. Handeln heißt nach Lage der Dinge: Die schwarz-gelbe Regierung stellt einen eigenen Antrag, um sich nicht der Opposition anschließen zu müssen. Das würde sich im Wahlkampf ganz blöd machen. Genauso blöd wäre es, das Hinterherhinken einfach einzuräumen. Also sagt Friedrich, man dürfe „die Länder auf dieser Bühne mit der NPD nicht allein lassen“.
Schön gesagt – aber wer hat denn hier Angst, allein dazustehen? Umfragen ergeben regelmäßig eine Mehrheit für ein Verbot der Nazipartei. Mal sind es gut 50 Prozent Befürworter, mal über 70 Prozent. Erst kürzlich ermittelten die Umfrageinstitute Infratest dimap und Emnid jeweils um die 70 Prozent Quote pro Verbot. Das heißt, auch ein nennenswerter Teil der Union-Wähler sind für ein Verbot. Angesichts solcher Mehrheiten wollen die Konservativen nicht den Verhinderer spielen. Sie sind es, die am Ende nicht allein dastehen wollen. Aber das im Wahlkampf so unverblümt zu sagen, wäre ja auch wieder blöd.
Wir sind käuflich. Aber nur für unsere Leser*innen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen aufgreifen
→ marginalisierten Stimmen Raum geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten voranbringen
Mit »Freiwillig zahlen« machen Sie mit. Sie tragen dazu bei, dass diese Zeitung eine Zukunft hat. Damit nd.bleibt.