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Fotos gegen Ausverkauf?

nd: Sie arbeiten an einem Fotoband zu Honduras mit dem Titel »Stimmen gegen den Ausverkauf«. Wer verkauft Honduras und an wen?
Die honduranische Regierung vergibt Konzessionen an nationale und internationale Unternehmen, die die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen stark befördern. Seit 2009 erleichtern Gesetzesänderungen die Vergabe von Konzessionen für Minen, den Bau von Wasserkraftwerken und Staudämmen, was verstärkt zur Privatisierung von Flüssen oder Wäldern führt. Landvertreibungen sind die Folge. Hinzu kommt die geplante Errichtung von Sonderwirtschaftszonen mit eigener Gesetzgebung, was Kritiker als Verlust der Souveränität sehen.

In der Projektbeschreibung erwähnen Sie den Putsch 2009. Welche Bedeutung hatte dieser Umsturz?
Seither wurden diese Privatisierungsinitiativen stark vorangetrieben. Außerdem haben sich die Menschenrechtsverletzungen gegenüber Kritikern solcher Bestrebungen verstärkt. Das betrifft vor allem indigene Bewegungen, aber auch soziale und Umweltschutzorganisationen. Menschenrechtsverteidiger und Journalisten stehen stärker im Visier. Die Militärpräsenz hat vor allem in ländlichen Regionen zugenommen. Auch US-Militär unterstützt die honduranischen Streitkräfte. Angesichts der Gewalt gegen die Demokratiebewegung ist die Straflosigkeit ein großes Problem.

Wie hat sich die Lage seit dem Putsch verändert?
Es gibt in Honduras wieder Todesschwadronen. Die Praktiken der Diktaturen in den 80er Jahren kehren wieder: Verschwindenlassen, Entführungen, Folter, Mord. Kandidaten der neu gegründeten Partei LIBRE, die aus der Widerstandsbewegung hervorgegangen ist, wurden ermordet. Auch die allgemeine Gewalt ist angestiegen. Vor dem Putsch 2008 lag die Mordrate bei 61 Fällen pro 100 000 Einwohner, 2011 bei 91. Was den Ausverkauf betrifft: In Honduras gibt es 154 Minenkonzessionen, es sollen 300 weitere hinzukommen.

Wen und was wollen Sie mit Ihrem Fotoband erreichen?
Wir wollen während und nach den Präsidentschaftswahlen im November mehr Öffentlichkeit für Honduras herstellen. Themen wie der Ressourcenabbau stoßen auf weitergehendes Interesse, weil es auch um die Herstellung von Agrartreibstoff für den europäischen Markt geht. Zudem steht gerade ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Zentralamerika vor dem Abschluss.

Woher haben Sie das Material?
Wir waren mit einer Delegation von sechs Medienmachern im Juli und August 2012 zwei Monate in Honduras und haben dort mit zwei indigenen Organisationen in ländlichen Gebieten zusammengearbeitet und recherchiert. Die während des Aufenthaltes entstandenen Interviews und Fotos sind das Ausgangsmaterial für das Buch.

Auf der Internetplattform krautreporter.de werben Sie derzeit um Unterstützung. Gibt es dort Interesse an Ihrem Projekt?
Wir haben inzwischen fast die Hälfte des Betrags gesammelt, der uns noch zur Fertigstellung des Foto- und Interviewbandes fehlt. Da über die politische Situation in Honduras hierzulande nicht allzu viel bekannt ist, ist das schon ein beachtlicher Erfolg. Aber noch ist das Ziel nicht erreicht!

Interview: Harald Neuber

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