Blaues Wachstum ohne Hochseefischer

Meeresexperten fordern auf Konferenz im portugiesischen Cascais umgehenden Stopp

Wie kann man das Meer wirtschaftlich nutzen, ohne die maritime Umwelt zu ruinieren? Dieser Frage ging eine Konferenz in Portugal und ein gerade auf Deutsch erschienenes Buch des britischen Meeresbiologen Callum Roberts nach.

»Ein wirkungsvoller, grenzüberschreitender und nachhaltiger Meeresschutz leidet derzeit vor allem darunter, dass notwendige Maßnahmen nicht wirkungsvoll umgesetzt werden«, sagt der englische Meeresbiologe Callum Roberts, dessen Buch »Ocean of Life« jüngst auf Deutsch (»Der Mensch und das Meer«) erschienen ist.

Eine solche Maßnahme schlug kürzlich die 3. Konferenz zur Nachhaltigkeit der Ozeane vor. Die im portugiesischen Cascais versammelten 130 Meeresexperten forderten einen sofortigen Stopp der Hochseefischerei. Der Fokus der Konferenz lag auf »blauem Wachstum«, dem maritimen Äquivalent zum grünen Wachstum an Land - und der Frage, wie im Prinzip als sinnvoll erkannte Maßnahmen großflächig umgesetzt werden können.

Noch bringen Trawler reiche Fänge aus den Weltmeeren an Land. Doch seit einem Vierteljahrhundert gehen die Fischbestände zurück, die industriellen Fangmethoden mit Schleppnetzen bewirken zudem nachhaltige Schäden. Internationale Maßnahmen zur Verbesserung der Weltmeeressituation scheitern oft an nationalen Interessen. Als überreguliert kann man die Welt der Ozeane infolgedessen kaum bezeichnen. »Von jedem Flugzeug wird verlangt, dass es über Peilsender identifizierbar ist und wir wissen, wo es sich befindet. Für Handelsschiffe gilt das auch, aber nicht für Fischereifahrzeuge«, bemängelt der frühere britische Außenminister David Milliband. Fürst Albert II. von Monaco, einer der Schirmherren der Konferenz, rief dazu auf, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die ökonomischen Vorteile einer nachhaltigen, »blauen« Wachstumsstrategie genutzt werden könnten. Nach der Einrichtung von Meeresschutzgebieten hätten Fischer auf den Salomonen und in Kenia ihr Einkommen in nur fünf Jahren verdoppelt. Vor-Ort-Maßnahmen unter Einbeziehung aller Beteiligten seien gefragt, als »Auftakt zu einer neuen Steuerung maritimer Gebiete«.

8,3 Millionen Quadratkilometer Ozean werden als Schutzgebiete vor Raubbau bewahrt, das sind gerade mal 2,3 Prozent der Weltmeeresoberfläche. Auf der UN-Biodiversitätskonferenz in Nagoya wurden 2010 zehn Prozent als Ziel formuliert, viele Konferenzteilnehmer gehen davon aus, dass wenigstens 20 Prozent zu Meeresschutzgebieten werden müssten, damit sich die Ozeane regenerieren könnten.

Die Forderung nach einem Stopp der Hochseefischerei ist radikal, der Weg dorthin soll über eine Internationalisierung der Zuständigkeiten führen. Eine Europäische Ozean-Allianz soll als branchenübergreifende Beraterin sowohl die Öffentlichkeit sensibilisieren als auch den Dialog der zuständigen Institutionen befördern. Forderungen der Allianz werden in einem regelmäßig erscheinenden »Weißbuch« zusammengefasst.

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