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Energie aus Teufels Küche

Das älteste Erdwärmekraftwerk der Welt in der Toskana soll ausgebaut werden

  • Von Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 2 Min.
Das Tal des Teufels liegt in der Toskana. Dort wird Erdwärme produziert, seit genau 100 Jahren. Nun soll die Produktion deutlich erhöht werden. Mit Hinweis auf seismische Aktivitäten wird Kritik an den Plänen laut, auch wenn die Region von der Erdwärme profitiert.

Es sind nicht die Kühltürme eines Atomkraftwerkes, die sich südlich von Volterra in den Himmel recken. Wenige Kilometer von der alten etruskischen Stadt zeigt die Toskana ein unbekanntes Gesicht. Statt Zypressenalleen und alten Bauernhäusern prägen 30 Meter hohe Betontürme und Schlangen aus Chromstahl die Landschaft. Der Geruch von Pech und Schwefel erklärt, wieso die Gegend als Tal des Teufels bekannt ist. Hier betreibt der Energiekonzern ENEL das weltweit älteste Erdwärmekraftwerk.

Der französische Apotheker François Larderel war 1799 den Wirren der Revolution in Paris entflohen und hatte im kleinen Ort Montecerboli einen Betrieb zur Gewinnung von Borverbindungen aus heißen Quellen errichtet. Der Großherzog der Toskana machte den erfolgreichen Geschäftsmann zum Grafen von Montecerboli und ließ den Ort in Larderello umbenennen.

Ein Enkel Larderels, Piero Ginori Conti ließ 1904 die ersten Dampfturbinen bauen, die sowohl seinen Betrieb als auch die Siedlung mit Elektrizität versorgten. 1913 ging das erste Erdwärmekraftwerk ans Netz. Auf einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Kraftwerks Larderello erklärte ENEL-Geschäftsführer Fulvio Conti, das Unternehmen wolle bis 2017 etwa 850 Millionen Euro in den Ausbau der Erdwärmenutzung investieren. Larderello produziert derzeitig zehn Prozent der weltweit gewonnenen Elektroenergie aus Erdwärme, jedoch nur zwei Prozent des italienischen Energiebedarfs.

Die Ausbaupläne sind umstritten. Vor allem, dass die Erkundungen für den Bau neuer Erdwärmezentralen nicht unter Einbeziehung der in der Region wohnenden Bürger vorgenommen werden, stößt bei Umwelt- und Bürgerinitiativen auf Misstrauen. Man fürchtet um die toskanische Landschaft und sieht die Gefahr von Erdbeben. Die Kommune Volterra zählt seit wenigen Jahren zu den erdbebengefährdeten Gemeinden. Das Gebiet um Larderello liegt über einem 5000 Quadratkilometer großen unterirdischen Magmasee, der sich vom Monte Amiata bis zur Insel Elba erstreckt. Dadurch wird ein unterirdisches Wasserreservoir bis auf 375 Grad Celsius erhitzt. Der immer noch 250 Grad heiße Dampf aus bis zu 5000 Metern Tiefe treibt die Turbinen an.

Nach den Plänen der ENEL soll die Energieausbeute fast verdoppelt werden. Mit den dann produzierten 310 Millionen Kilowattstunden sollen 40 Prozent des Energiebedarfs der Region gedeckt werden. Zudem werden über die Abwärme Gewächshäuser auf einer Fläche von 250 000 Quadratmetern beheizt. Schon jetzt profitieren die umliegenden Gemeinden von der Fernwärme aus Larderello. Regionalpräsident Enrico Rossi versicherte bei Vorstellung der Pläne, man werde den Umweltschutzaspekt im Auge behalten.

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