Gemeinsam statt nebeneinander

Der katalanische PAH-Aktivist Eduard Baches kritisiert den Ansatz der CIC-Kooperative

  • Lesedauer: 2 Min.

Die Plattform der Hypothekenbetroffenen (PAH) ist der bekannteste Basis-Akteur im Kampf um die spanische Wohnungspolitik. Sie ist in ganz Spanien vertreten. Die erste lokale Initiative gründete sich 2009. Drei Jahre später sorgte die PAH mit einer Volksgesetzesinitiative für Aufsehen: Anderthalb Millionen Unterschriften konnte sie einreichen.

Nachdem die Gesetzesinitiative der PAH im März von der spanischen Regierung zwar übernommen, aber an einigen Stellen abgeändert wurde, suchte das Netzwerk nach einem neuen Schwerpunkt. »Wir konzentrieren uns seit dem Strategiewechsel auf die Besetzung leerer Wohnungen, die Banken gehören«, sagt Eduard Baches, PAH-Aktivist in der katalanischen Stadt Lleida.

»Wir nennen das ›obra social‹. So bezeichneten die Sparkassen die Projekte, mit denen sie der Bevölkerung einen Teil dessen ›zurückgaben‹, was deren Ersparnisse abwarfen.« Das Wort »obra« bedeutet sowohl Werk, als auch Bauwerk und Baustelle. Von daher passt der Begriff »obra social«, den die Banken früher für kulturelle Aktivitäten wie Ausstellungen und Sportförderung benutzten, gut zu dem, was die PAH macht: zwangsgeräumte Familien in Wohnungen der Banken unterbringen. »Oft kann das nach Verhandlungen auf eine reguläre Basis gestellt werden«, erklärt Baches. In manchen Fällen werde eine Miete in Höhe der staatlich regulierten Sozialmiete bezahlt. »Mit der ›obra social‹ veranschaulichen wir einen sozialen Konflikt«, sagt der Aktivist.

Eduard Baches kritisiert die Idee des Wohnungsprojekt der CIC, weil die PAH nicht miteinbezogen wurde. Wäre die Initiative in Netzwerke eingebunden, die für bezahlbaren Wohnraum kämpfen, könnte man eine größere Wirkung entfalten. »Viele würden bei einem Projekt gesellschaftlicher Transformation mitmachen.« Der Mittdreißiger und ehemalige Lehrer sieht in seinem eigenen Verein viel Potenzial: »Hinter der PAH steht eine soziale Masse, die die Gesellschaft transformieren will. Dort kannst du den Samen für ein Projekt, wie es die CIC will, legen.«

Der PAH-Aktivist hat einen weiteren Vorbehalt: Er glaubt nicht, dass das CIC-Projekt der massenhaften Untervermietung von Wohnungen, die eigentlich Banken gehören, letztendlich juristisch standhalten wird.

Heißt das, dass sich PAH und CIC gegenseitig im Weg stehen? »Nein, das läuft nebeneinander und ohne Probleme«, beruhigt Baches. »Es wäre aber toll, die Kräfte zusammenzuführen. Die sozialen Bewegungen müssen sich vereinen, um Alternativen zu schaffen.« rhu

Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen.

Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall.

Dank Ihrer Unterstützung können wir:

→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen in den Fokus rücken
→ marginalisierten Stimmen eine Plattform geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln

Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.

- Anzeige -
- Anzeige -